Entscheidend ist eine optimale Förderung der Kinder

Heute besteht ein wissenschaftlicher Konsens darüber, wie wichtig gerade die frühkindliche Entwicklung für das weitere Leben ist. Ob dies im häuslichen und familiären Rahmen oder in einer Kinderkrippe oder Kindertagesstätte besser gewährleistet ist, kann nicht theoretisch entschieden werden, sondern hängt von den konkreten Lebensumständen einer Familie ab. Wer sich bewusst für die häusliche Betreuung eines Kleinkindes entscheidet, darf nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten. Die wirtschaftliche Unterstützung muss hier ebenso verbessert werden wie die Möglichkeit, nach der Erziehungsphase wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Andererseits haben viele Paare oder allein Erziehende keine andere Wahl, als Beruf und Kindererziehung vereinbaren oder auf Kinder verzichten zu müssen. Sie dürfen dafür weder diffamiert noch benachteiligt werden. Vielmehr müssen auch sie in ihrem Wunsch nach Kindern unterstützt werden. Es ist eine Frage sozialer Verantwortung und angesichts der erschreckenden demographischen Entwicklung eine dringend notwendige Investition in die Zukunft der Gesellschaft, diese Eltern durch die Schaffung ausreichender Betreuungsmöglichkeiten zu unterstützen.

Die Kirche vertritt grundsätzlich eine Position, die die Familie stärkt, und wird dies auch künftig unbeirrt tun. Dies muss heute aber angesichts vielfältiger Lebensmodelle in differenzierten Angeboten bestehen, die den Realitäten einer modernen Gesellschaft und dem konkreten Bedarf von Eltern und Familien Rechnung tragen. Die Wahlmöglichkeit, ob ein Elternteil allein für das Kind da ist, oder ob Kind und Arbeit miteinander verbunden werden sollen, darf weder nach der einen noch nach der anderen Seite hin beschnitten werden. Daher muss auch Tendenzen einer staatlichen Dominanz in der Kindererziehung widersprochen werden.

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat erst jüngst in seiner Neujahrsansprache die Stärkung von Ehe, Familien und Kindern ausdrücklich zu einem Schwerpunkt der pastoralen Verantwortung erklärt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart und ihre Caritas unternimmt durch Fonds, Stiftungen, durch Bildungs- und Qualifizierungsangebote sowie durch ein breit gefächertes Netz von Beratungs- und Hilfeeinrichtungen große Anstrengungen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Anders als in anderen Teilen Deutschlands hat sie das Angebot an Kindergärten und Kindertagesstätten nicht reduziert. Als erste kirchliche Institution hat sie sich erfolgreich an dem Audit der Hertie-Stiftung für familienfreundliche Unternehmen beteiligt und ist dadurch in ihren Bemühungen bestätigt worden, ihre Mitarbeitenden in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen.

Von Gewicht in der aktuellen Diskussion ist auch die bedrückende Situation, dass eine zunehmende Zahl von Kindern vernachlässigt und in ihren Zukunftschancen beeinträchtigt werden, weil ihre Eltern durch vielfältige Belastungen überfordert sind. Derartige Erfahrungen verbieten eine einseitig-abstrakte Diskussion und machen es unerlässlich, nach politischen Lösung zu suchen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem Wohl der Kinder dienen.