Er war ein profilierter Seelsorger und Lebenshelfer

Seit 1971 war der gebürtige Oberschlesier als Priester in der Diözese Rottenburg- Stuttgart tätig. Pfarrer Wolfgang Birk engagierte sich u. a. als Studentenpfarrer in Ulm, bevor er am 1. Oktober 1978 mit Leitung der seit 1962 bestehende diözesanen Beratungszentrum "Ruf + Rat" in Stuttgart betraut wurde. Diese integrierte Einrichtung - Katholische Telefonseelsorge und Psychologische Beratungsstelle - mit 50 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern bietet Lebenshilfe am Telefon und umfasssende persönliche Beratung in Ehe-, Familien- und Lebensfragen und hilfreiche Begleitung Trauernder.
Birk verstand seine Arbeit als seelsorgliche Lebenshilfe und hatte immer ein offenes Ort für die Sorgen und Nöte der Menschen, für die die Telefonseelsorge häufig der einzige oder "letzte Draht" war, um über sich und ihre Verzweiflung, Ängste und Schwierigkeiten zu sprechen. Als Pastoraler Mitarbeiter wirkte der Geistliche auch in der Stuttgarter Innenstadtgemeinde St. Georg und in St. Bonifatius in Stuttgart-Steinhaldenfeld.

Die Telefongemeinde von Wolfgang Birk blieb meist anonym. Mit seiner ruhigen und einfühlenden Art wurde er dennoch für viele Menschen zum einzigen Gesprächspartner. Ein Ziel seiner Arbeit war es, den Menschen, die verlernt hatten miteinander zu reden, wieder zur Sprache zu verhelfen. Als Psychologischer Berater und Priester konnte er nicht nur bei psychischen Problemen kompetent weiterhelfen. Er war als Seelsorger im umfassenden Sinn gefragt: Angefangen von Gesprächen über Nöte der alltäglichen Lebensbewältigung bis zu existentiellen Fragen nach Gott, Tod, Leid und Sinn des Lebens.

Immer wieder meldete sich Wolfgang Birk auch öffentlich zu Wort, wenn er im Hintergrund der Probleme Ratsuchender gesellschaftliche Fehlentwicklungen aus-gemacht hatte. Birk kritisierte die Vereinsamung der Singles in der Großstadt, den finanziellen Druck auf die Familien, der diese aus dem Gleichgewicht bringt, oder in den letzten Jahren immer wieder die Folgen der Arbeitslosigkeit mit ihren psychischen Konsequenzen für die Betroffenen und Angehörigen. Pfarrer Birk war über lange Jahre mit seinen nachdenklichen Beiträgen auch für viele Rundfunkhörer ein spiritueller Impulsgeber.

Mit Wolfgang Birk verliert die Diözese Rottenburg-Stuttgart und vor allem auch die Katholische Kirche in Stuttgart einen ihrer profiliertesten und engagiertesten Priester.

Das Requiem findet satt am Mittwoch, 14.09.05, um 12.30 Uhr in St. Thomas, Stuttgart-Steinhaldenfeld. Die Beerdigung ist um 14 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld.