Erfassen, Ergründen, Erhalten

Rottenburg. 26. Juni 2015. Manche Kirchengemeinde weiß möglicherweise gar nicht richtig, welche Kunst- Kostbarkeiten in Kammern oder auf Dachböden schlummern. Unter dem Leitwort „Erfassen, Ergründen, Erhalten“ ist deswegen ein Projekt unter Leitung der Direktorin des Rottenburger Diözesanmuseums, Melanie Prange, gestartet. In dessen Rahmen inventarisieren Prange und drei weitere Kunsthistoriker nach und nach die Kunstwerke in den Dekanaten des Bistums. Die Experten beginnen damit im Dekanat Rottenburg. Beim Projekt geht es nicht in erster Linie um materielle Werte, sondern um die Bedeutung von Kunst für das geistliche Leben und die Identität der Gemeinden.

„Wir wollen den Gemeinden Dienste erweisen“, betont Direktorin Prange. Zunehmend werde sie mit Fragen konfrontiert nach Herkunft und Bedeutung etwa von Objekten wie Heiligenfiguren, Altarbildern oder Fresken. Dabei spüre sie vielfach Unsicherheit, wie solche Werke zu schützen und zu erhalten sind. „Kunstwerke sind hervorragend geeignet, Zugänge zum Glauben zu ebnen, Wissen darüber zu vergrößern und tiefer einzutauchen ins Glaubensleben“, sagt Prange. Weil ein Kunstwerk immer eine Geschichte habe, sei es hilfreich, die Objekte wissenschaftlich zu erforschen und so möglichst viel auch über deren künstlerische Aussage zu erfahren. Der Dreischritt „Erfassen, Ergründen, Erhalten“ bringe dieses Anliegen exakt auf den Punkt. Dazu gehen die Experten mit Kamera und Inventarlisten vor Ort. Prange erwartet, dass die Inventarisierung mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.

Erste Erfolge verbucht das Team bereits. „In einer Gemeinde sind wir auf vergessene historische Prozessionsfahnen gestoßen, erzählt Prange, „nun sollen sie wieder zum Einsatz kommen.“ Die Experten beraten kostenlos, geben Tipps zum Erhalt der Kunstwerke oder vermitteln Kontakte zu Restauratoren. „Wir verstehen uns als Dienstleister.“ Nach der Inventarisierung erhalten die Gemeinden die komplette Liste ihres Kunst-Inventars. Um Wertschätzung für Kunstwerte und -werke zu fördern, will Prange vor Ort Info-Abende und im Diözesanmuseum Sonderausstellungen organisieren.

Hinweis an die Medien: Dr. Melanie Prange mprange(at)bo.drs.de, Telefon (07472) 922-181