Erklärung der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu den strafrechtlichen Ermittlungen gegen einen suspendierten Priester

Es handelt sich bei dem beschuldigten Mann weder um den derzeit in Dietingen tätigen Ortspfarrer noch um einen seiner Vorgänger.

Die Person, um die es dabei geht, wurde im Jahr 2000 in Rottweil zum Priester geweiht. Der Mann gehörte aber von Anfang an nicht zum Klerus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sondern war Priester der Diözese Lima-Chosica in Peru, wo er nach seiner Weihe seinen pastoralen Dienst aufnahm. Nachdem er bereits nach kurzer Zeit wegen massiver finanzieller Unregelmäßigkeiten, die im Zusammenhang mit einer psychischen Problematik standen, aufgefallen war und therapeutische Interventionen in Peru erfolglos waren, schickte ihn der dort zuständige Bischof im Jahr 2003 unter strikten Auflagen zur Therapie nach Deutschland. Auf Bitte des Bischofs der Diözese Lima-Chosica stellte die Diözese Rottenburg-Stuttgart den Priester ab Oktober 2003 befristet als Vikar in einer Heilbronner Gemeinde an, um ihn in seinem priesterlichen Status zu stärken und seinen Lebensunterhalt sowie die erforderlichen fachärztlichen und psychotherapeutischen Maßnahmen finanziell abzusichern. Trotz intensiver Bemühungen sowohl der involvierten Ärzte und Therapeuten als auch der Diözesanleitung der Diözese Rottenburg-Stuttgart ließen sich die Probleme auch in Deutschland nicht lösen. Daraufhin beurlaubte ihn die Diözese zunächst ab Juni 2004, im Juli 2004 entließ sie ihn aus ihrem Dienst; zeitgleich suspendierte ihn der Bischof von Lima-Chosica von seinem priesterlichen Dienst, d.h. er verbot ihm die Ausübung aller Tätigkeiten, die mit dem Beruf eines katholischen Priesters verbunden sind. Zugleich untersagte er ihm – ebenso wie die Diözese Rottenburg-Stuttgart – für die weitere Zukunft alle finanziellen Aktivitäten und die damit verbundenen Kontakte nach Peru, deretwegen die geschilderten Maßnahmen erfolgt waren.

Seit der Suspendierung im Jahr 2004 lebt der Mann in seiner Heimatgemeinde Dietingen (Kr. Rottweil). Die genannten Vorfälle hatten nach Kenntnis der Diözese Rottenburg-Stuttgart nichts mit den Vorwürfen der Pornografie und der Pädophilie zu tun, deretwegen jetzt gegen den Mann ermittelt wird.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe durch Berichte im Magazin FOCUS (Nr. 22/2008) und im Schwarzwälder Boten (29. Mai 2008) hat Bischof Dr. Gebhard Fürst, in dessen Diözese sich die aktuellen Vorfälle ereignet haben, folgende Schritte unternommen:

Am 29. Mai hat er gemäß den kirchenrechtlichen Vorschriften einen Mitarbeiter der Kurie mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt. Zeitgleich wurde der Vorsitzende der Kommission Sexueller Missbrauch der Diözese Rottenburg-Stuttgart informiert und mit ihm das weitere Vorgehen der Kommission besprochen. Dem suspendierten Priester wurden alle – auch ehrenamtlichen – Auftritte in der kirchlichen Öffentlichkeit brieflich untersagt, außerdem muss er sich für die weiteren Untersuchungen auch der Diözese zur Verfügung halten. Dieses Vorgehen ist mit dem zuständigen Bischof der Diözese Lima-Chosica abgestimmt.

Alle weiteren kirchenrechtlichen Maßnahmen hängen von den Ergebnissen der internen Untersuchungen und der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bzw. des Gerichts ab.