Erklärung von Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und Bischof Dr. Gebhard Fürst zu der in der Stuttgarter Bürgerschaft entstandenen Situation um das Projekt Stuttgart 21

Bei all den Auseinandersetzungen sollte immer beachtet werden:

Als Kirchen haben wir eine ethische Kompetenz, die mit der Würde des Menschen zu tun hat. Diese Menschenwürde sehen wir bedroht durch die Art, wie Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 miteinander umgehen. Unsere Aufgabe als Bischöfe und Kirchen sehen wir daher im Augenblick darin, uns dafür einzusetzen, dass weder Befürworter noch Gegner verunglimpft und in ihrer Würde verletzt werden.

Es geht bei Stuttgart 21 nicht vornehmlich um theologische Positionen, sondern um das Ergebnis einer politischen Entscheidung, gegen die ein Teil der Bürgerinnen und Bürger protestiert - aus Gründen, die wir respektieren, ohne einseitig Partei ergreifen zu wollen.

Als Bischöfe und Kirchen äußern wir uns daher nicht zu verkehrspolitischen Entscheidungen für die Landeshauptstadt und die Region Stuttgart. Auch ist es nicht die Aufgabe der Kirchen, zu dieser Sache juristische, wissenschaftliche oder politische Stellungnahmen abzugeben. Die Bewertung dieses Projekts wird bis heute auch innerhalb der Mitglieder unserer Kirchen unterschiedlich wahrgenommen.

Wir sind als Kirchen nicht unparteilich. Jedoch beziehen wir anders Partei als es Gegner und Befürworter von den Kirchen fordern. Wir nehmen in diesem Konflikt Partei für die Menschenwürde und für einen Umgang in der inhaltlichen Auseinandersetzung, der dem sozialen Frieden dient.

Wir begrüßen es deshalb sehr, wenn es zu einem runden Tisch und einem Gespräch kommt. Als Kirchen wollen wir gerne mithelfen, dass dieses Gespräch zustande kommen kann.