Erntedank – Gegenbotschaft zu menschlichem Größenwahn

Es wird am kommenden Sonntag gefeiert. „Wenn an Erntedank die Altäre Kirchen mit Feldfrüchten, Getreide- und Blumensträußen, Brotlaiben oder Kürbissen geschmückt werden“, so Bischof Fürst, „dann bringen die Menschen ihre Freude über das Tag für Tag, Jahr für Jahr neu von Gott geschenkte Leben zum Ausdruck.“ Sie seien sich aber auch bewusst, dass das Gelingen des Lebens nur zum Teil in ihrer Hand liege, sagte Bischof Fürst. „Die Botschaft, dass wir unser Leben auch in seinen alltäglichen Gaben Gott verdanken, ist die Gegenbotschaft zu manchem menschlichen Größenwahn und zu manchen Allmachtsphantasien, die uns nicht zu glücklichen, sondern oft zu getriebenen und auch gedankenlosen Menschen machen“, betonte der Bischof.

Dass in den westlichen Industrienationen fast alle Lebensmittel ständig und im Überfluss zur Verfügung stünden, so der Rottenburger Bischof, dürfe nicht vergessen lassen, dass es immer mehr Menschen auch in wohlhabenden Ländern am Nötigsten fehle. „Dass in Deutschland viele Kinder nicht ausreichend und gesund ernährt werden und dass sich nach jüngsten Umfragen jedes vierte Kind auf Grund seiner Lebensumstände öfter krank fühlt, muss uns die Schamröte ins Gesicht treiben“, sagte Bischof Fürst. Und ebenso, betonte der Bischof, müsse am Erntedankfest auch auf die fürchterlichen Lebensbedingungen hingewiesen werden, unter denen in den Elendsregionen der Erde ungezählte Menschen leben und sterben. „Unter den Folgen ungerechter Handelsbedingungen, unfähiger oder korrupter Politik, von Kriegen und Bürgerkriegen müssen immer und überall die Ärmsten der Armen leiden“, sagte Bischof Gebhard Fürst. Das gelte zunehmend auch für die Auswirkungen des Klimawandels wie Dürre oder katastrophale Unwetter, durch die Nahrungsgrundlagen vernichtet werden. „Danken hängt mit Denken zusammen“, sagte Bischof Fürst, „und das Erntedankfest könnte uns zu denken geben, wo wir durch unseren persönlichen Lebensstil unsere Mitverantwortung für die Zukunft der Menschen und der Schöpfung zum Ausdruck bringen können.“