Erste Reiseeindrücke aus Indonesien von Bischof Gebhard Fürst

Hautnah aber erlebt er bei diesen Begegnungen auch die Kehrseite der Idylle. Dem enormen Kinderreichtum und der Kinderfreundlichkeit steht eine unbeschreibliche Armut gegenüber. Die medizinische Versorgung, besonders auch die gynäkologische Betreuung der schwangeren Frauen, die Geburtshilfe und die Versorgung der Säuglinge, ist äußerst mangelhaft. Deshalb endet etwa jede zehnte Geburt tödlich – für die Kinder und allzu oft auch für die Mütter. Was bleibt den Vätern, die zumeist noch viele weitere Kinder zu versorgen haben, anders übrig, als die Neugeborenen in die Obhut der katholischen Ordensschwestern zu geben?

Die Reutener Franziskanerinnen nehmen sich dieser Kinder an, gemeinsam mit einheimischen Schwestern, die zur selben Kongregation gehören. Ihnen gelten die ersten Besuchstage des Rottenburger Bischofs. Planmäßig waren er und seine Begleiter, Domkapitular Klaus Krämer und der Bischöfliche Sekretär Harald Gehrig, am Freitagnachmittag auf der Insel Nias angekommen. Von dem verheerenden Unwetter, das die Hauptstadt Jakarta überschwemmte, waren sie verschont geblieben. Die Bilder der Verwüstung, die der Tsunami und das darauf folgende Erdbeben angerichtet hatte, drängten sich jedoch auch ihnen auf. Die Stadt Gunungsitoli mit dem Flugplatz der Insel Nias weist, so Bischof Fürst, „arge Narben“ auf. Die Insel Nias wurde durch die Naturkatastrophen zwei bis drei Meter angehoben. Die Lagune von Teluk Dalam im Süden der Insel, einst ein Surferparadies, ist nicht mehr wiedererzuerkennen. Hart getroffen hat es auch die Station der Franziskanerinnen in Telehösi, wo die Rottenburger Gäste am Samstag eintrafen. Dort wurden eine Säuglingsstation und eine Poliklinik zerstört. Die Poliklinik ist inzwischen durch ein Provisorium ersetzt, ebenso die Wohnungen der Schwestern. An der Stelle der ehemaligen Säuglingsstation soll eine neue Poliklinik entstehen. Die Kinder selbst, 20 Säuglinge, waren in Hiliweto untergebracht worden, der ersten Reisestation auf Nias am Freitag. Dort unterhalten die Reutener Franziskanerinnen ein Kinderdorf, in dem – nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer – die Kinder mit ihren Pflegeeltern in Familiengruppen zusammenleben. Mit der Hilfe der Städte Ravensburg und Friedrichshafen wurde dort vor kurzem ein Heim für Säuglinge und Kleinkinder gebaut – als Ersatz für die in Telehösi zerstörte Station. Die aus Telehösi geretteten Säuglinge werden dort künftig leben und in die Familiengruppen integriert werden. Bei den Franziskanerinnen in Hiliweto ist jetzt ihre neue Heimat.

Reiseziel des Bischofs am Sonntag war – nach einem Transfer im Schnellboot – die Stadt Sibolga, wo er sich mit dem Diözesanadministator der Diözese Sibolga, P. Barnabas Winkler, traf. Der Montag war einem Besuch der Novizinnen des Ordens in Pangaribuan gewidmet. Mit der Gemeinde von Pangaribuan feierte Bischof Fürst abends Gottesdienst – in zwei Sprachen, indonesisch und deutsch. „Bunt und lebensfroh“ sei die Feier gewesen, schildert der Bischof, „wie die Menschen dort eben sind“.