„Europa beginnt gleich vor der Haustür“

Rottenburg. 21. Mai 2014. Bischof Gebhard Fürst hat eindringlich zur Teilnahme an der Europawahl am kommenden Sonntag aufgerufen. Er warnte vor der Annahme, das Thema Europa und dessen Zukunft liege fernab. „Europa beginnt gleich vor der Haustür“, betonte er am Mittwoch in Rottenburg. Die europäische Gemeinschaft befinde sich in einer Krise, ihr Bestand werde von Teilen der Gesellschaft in Frage gestellt. Nur gemeinsam und in solidarischer Verantwortung lasse sich diese Krise meistern, sagte Bischof Fürst. „Jede Wählerin und jeder Wähler kann dies am Sonntag mitbestimmen.“

Die Wahl solle Frieden und Zusammenhalt in Europa stärken, unterstrich der Bischof. Zur Verantwortung der Wählerinnen und Wähler gehöre auch, den Blick auf die von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders hart getroffenen Länder zu schärfen. In einigen Staaten grassiere eine Jugendarbeitslosigkeit, die einer ganzen Generation die Zukunft zu verbauen drohe. Dies könne Nährboden für Extremismus, Gewalt und nationalistische Exzesse bilden, der den Frieden auf dem Kontinent gefährdet. „Friede in Europa ist alles andere als selbstverständlich, solidarisch muss er immer wieder neu erarbeitet werden.“

Friede sei nur mit Gerechtigkeit und Ausgleich möglich, betonte Bischof Fürst. Dazu zähle auch die Sorge für Flüchtlinge aus Afrika. Ihnen Schutz zu bieten und gleichzeitig dazu beizutragen, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern, gehöre zur besonderen Verantwortung Europas. Dies schließe auch mit ein, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen, von dem vor allem südliche Länder hart betroffen seien. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Menschen vor den Küsten des Kontinents ertrinken.“

Uwe Renz

Wahlaufruf der Diözesanräte von Rottenburg-Stuttgart und Freiburg