Europäer aus innerster Überzeugung


Der „europäische Impetus“ Meyers entstamme dessen innersten Überzeugungen ebenso wie dessen biografischen Erfahrungen, politischen Einsichten und grundlegenden Orientierungen, betonte Bischof Fürst. Seine Bemühungen hätten sich ebenso nach Westen, besonders nach Frankreich, erstreckt wie nach Osten zu den Nachbarn Polen und Tschechien. Es gehöre zu Meyers Grundüberzeugungen, dass das Christentum und die katholische Kirche wichtige Beiträge im Prozess eines zusammenwachsenden und größer werdenden Europa erbringen müsse. Umgekehrt sei es für Meyer auch unbestritten, dass sich dieses Europa entscheidender Orientierungspunkte beraube, wenn es das reiche Erbe des christlich-kirchlichen Überlieferungsschatzes ausklammere. Dies, so der Bischof, betreffe besonders auch die sozial-diakonische Dimension des künftigen Europa und damit die darin lebenden Menschen.

Im Laufe ihrer neunjährigen Zusammenarbeit seien zwischen Professor Meyer und ihm selbst eine Basis des vertrauensvollen Gesprächs und eine persönliche Verbindung entstanden, sagte Bischof Fürst weiter. Besonders dankbar erinnere er sich dabei an den 95. Deutschen Katholikentag 2004 in Ulm. Das gelungene Zusammenwirken bei diesem Ereignis sei für die ganze Diözese Rottenburg-Stuttgart ein großer pastoraler Gewinn gewesen.

In seiner über zwölf Jahre dauernden Amtszeit als Präsident des ZdK habe Hans Joachim Meyer dieses Gremium „mit Geschick, viel Geduld, mit Beharrlichkeit, inhaltlicher Kompetenz und rhetorischer Brillanz“ geleitet, würdigte Bischof Fürst dessen Wirken auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz. Meyer habe als stets fairer Gesprächspartner das zeitgenössische Leben der katholischen Kirche bereichert und ihr in zahlreichen brisanten Themen Gehör verschafft. Besonders hervorzuheben sei dabei seine klare Positionierung zum Schutz des Lebens an seinem Anfang und an seinem Ende. Für die Stimme der katholischen Kirche in der bioethischen Diskussion sei dies von großer Bedeutung gewesen. Verwurzelt in der katholischen Kirche in biografischer, intellektueller und spiritueller Hinsicht, sei Meyers kirchliches Engagement zugleich von „ebenso nüchterner wie entschiedener ökumenischer Gesinnung“ gewesen. Der scheidende ZdK-Präsident habe sich um die Präsenz der katholischen Kirche im öffentlichen und politischen Gespräch ebenso verdient gemacht wie um die Stimme der Laien in Kirche und Gesellschaft, betonte Bischof Gebhard Fürst.