Facetten einer widersprüchlichen Persönlichkeit

Zu dem vom Papst ausgerufenen Paulusjahr hatte die katholische Paulusgemeinde in Balingen-Frommern dem Kunstprofessor rechtzeitig den Auftrag für die 34 Tafeln vom Format 35 mal 37 Zentimeter gegeben. Ihren Platz finden sie im katholischen Gemeindehaus von Frommern, wo sie am Sonntag um 10 Uhr eingeweiht werden und Diözesankonservator Wolfgang Urban sprechen wird.

Nach einer Reise vor Jahren durch die Westtürkei, das frühere Kleinasien und Heimat des Apostels Paulus, war Dieter Groß vollends fasziniert von dem Völkermissionar voller Facetten und Widersprüche. „Kannst du das, darfst du das?“, habe er sich gefragt, bevor er die ersten Skizzen zum Zyklus aufs Papier brachte mit der Absicht, dem Apostel Gestalt und Gesicht zu geben. Diese 250 Skizzen und Bilder sind heute gesammelt in zwei dicken Ordnern: Paulus als Denker und Grübler, als Eiferer gegen die Christen und später als Eiferer für Christus, als Schriftsteller und Briefeschreiber, als unermüdlicher und bleibende Spuren hinterlassender Missionar, als Geschlagener und doch in Fesseln Befreiter, schließlich als Enthaupteter. Aus Skizzen wurden Tafeln – noch stehen die Ergebnisse „vieler Wandlungen und inner Ringkämpfe“, so Groß, im Atelier des Künstlers, Karikaturisten und Grafikers.

Speziell verleimte und verpresste und damit äußerst stabile MDF-Platten („mitteldichte Holzfaserplatten“) sollen garantieren, dass die mit Acrylfarbe und Tuschefeder gestalteten Motive originalgetreu erhalten bleiben. Groß freut sich bereits, wie er sagt, auf die Auseinandersetzungen um die von Tafel zu Tafel aufeinander bezogenen Paulusbilder.

Dieter Groß kam am 25. Februar 1937 in Stuttgart zur Welt. 30 Jahre lehrte er dort als Professor an der Staatlichen Kunstakademie, wo er auch sein Studium absolviert hatte. Seit 1972 sind mehr als 150 Einzelausstellungen im In- und Ausland registriert. Seit Mitte der 80er Jahre zeichnet sich der Künstler, der zahlreiche Kirchenräume gestaltete, jeden Tag selbst. „Keinen Tag ohne Linie“ benennt Groß als Leitmotiv für seine Selbstbildnis-Disziplin.