Feinfühlige Bilder machen menschliche Würde auch in tiefem Elend sichtbar

Als Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz und ebenso als Bischof einer Diözese, in der die Solidarität mit den Menschen in der einen gemeinsamen Welt ein zentrales Anliegen sei, sei er den Autoren und allen für das Zustandekommen des Films Verantwortlichen dankbar, so Bischof Fürst. Der 90-minütige Dokumentarfilm wird erstmals am Montag, 25. Oktober 2010, im Rahmen der Themenwoche „Essen ist Leben“ der ARD ausgestrahlt.

Vetter und Steinberger erzählen in ihrem Film exemplarische Schicksale aus fünf Ländern: Am Beginn und am Ende stehen die verzweifelten Versuche von verarmten Menschen, von Mauretanien aus über das Meer Europa zu erreichen; in Kenia leiden die Massai darunter, dass ihnen das Wasser des Kilimandscharo entzogen wird, weil es zur Bewässerung einer Rosenfarm genutzt wird; in Indien verarmen Kleinbauern und nehmen sich in großer Zahl das Leben, weil der Anbau von Gen-Reis sie in eine ruinöse Abgängigkeit von weltweit agierenden Agrarkonzernen bringt; der großflächige Anbau von Soja für die Rinderzucht auf dem Grund brandgerodeter Regenwälder ist auch das wirtschaftliche Ende der Kleinbauern in nordbrasilianischen Mato-Grosso-Gebiet; und schließlich erzählt der Film die Geschichte der Landbevölkerung in Haiti, die in die Riesenslums von Port-au-Prince ziehen, weil ihre heimischen Agrarerzeugnisse der Konkurrenz amerikanischer Importprodukte nicht standhalten und keine Abnehmer mehr finden, und deren Not durch das Erdbeben zum Jahresbeginn noch unsagbar gesteigert wurde.

Der Film reduziere an keiner Stelle die Menschen auf ihr Elend, betonte Bischof Fürst. Er lasse sie grundsätzlich selbst zu Wort kommen und zeige sie in ihrer unantastbaren Würde auch unter schwierigsten Lebensbedingungen. Er verzichte auch auf theoretische Erklärungen, doch machten die Schilderungen menschlicher Schicksale mehr als jeder Kommentar deutlich, was der Überfluss einer wohlhabenden Minderheit von Menschen zu Lasten einer benachteiligten Mehrheit konkret bedeute. Durch einfühlsame Bilder erlaube er auch hierzulande den Zuschauern, sich mit den im Film gezeigten Menschen zu identifizieren und sich von ihrer Anfrage an hiesige Lebensgewohnheiten berühren zu lassen.

Zusammen mit dem ebenfalls angebotenen didaktischen Begleitmaterial sei der Film „Hunger“ auch für die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit eine wertvolle Unterstützung, betonte der Bischof.

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„Hunger“

Ein Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Karin Steinberger
Eine Produktion der EIKON im Auftrag des SWR

Kamera: Thomas Mauch, Schnitt: Saskia Metten, Ton: Klaus-Peter Schmitt, Musik: Peter Scherer, Herstellungsleitung: Kristin Holst und Thomas Lorenz, Producerin: Axelle Hourrier, Produzenten: Ulli Pfau und Ernst Ludwig Ganzert, Redaktion: Gudrun Hanke-El Ghomri und Peter Latzel

Marcus Vetter hat für seine Dokumentarfilme bereits zahlreiche Preise (u. a. Deutscher Filmpreis, Grimme-Preis, Cinema for Peace Award) erhalten. Karin Steinberger arbeitet für die Süddeutsche Zeitung und wurde für ihre Reportagen mehrfach ausgezeichnet, darunter auch mit dem Medienpreis für Menschenrechte.

Sendetermine:
25. Oktober, 22.45 Uhr im Ersten im Rahmen der ARD-Themenwoche „Essen ist Leben“
26. Oktober, 20.15 Uhr auf Phoenix mit anschließender Diskussion
27. Oktober, 20.15 Uhr auf Eins Plus
5. und 12. November, SWR Fernsehen, Planet Schule
25. Oktober, 14 Uhr, Gespräch mit Marcus Vetter in Deutschlandradio Kultur

Eine Bildungs-DVD zum Thema Hunger wurde produziert von EIKON in Zusammenarbeit mit Brot für die Welt, ded, eed, EZEF, gtz, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, INKOTA, MISEREOR und Welthungerhilfe.

www.swr.de/HUNGER

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Dr. Thomas Broch