Finanzmittel für Dienst an den Menschen

Rottenburg. 6. Januar 2013. Bischof Gebhard Fürst sieht durch Papst Franziskus den diakonischen Weg seiner Diözese im Dienst an den Menschen gestärkt. Die Kirche müsse Geld zum Wohl der Menschen einsetzen; sie dürfe es nicht als Herrschaftsinstrument missbrauchen, sagte Bischof Fürst am Montag in Rottenburg in seiner Neujahrsansprache. Er sehe den Kurs der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch den Satz von Papst Franziskus bestätigt: „Geld darf nicht regieren, Geld muss dienen.“

Mit Einrichtungen, Projekten und Initiativen folge die württembergische Diözese seit Jahrzehnten dieser Maßgabe, betonte der Bischof. Als Beispiel nannte er das nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Bauunternehmen Siedlungswerk, an dem die die Diözese mit 75 Prozent beteiligt ist, und das sich besonders dem sozialen und nachhaltigen Wohnungsbau im Dienst am Gemeinwohl verpflicht hat. „In der gegenwärtigen Situation auf dem Wohnungsmarkt ist es ein heilsamer Akteur.“

Bischof Fürst hob hervor, dass alle Aktivitäten der Diözese sich daran messen lassen müssen, inwiefern sie den Menschen dienen. In dieser Hinsicht seien Finanzmittel als Hilfsmittel zu betrachten. Der Bischof bedauerte, dass die Limburger Vorgänge den Blick auf dieses Kriterium erschwert hätten. Er zeigte sich dankbar dafür, dass Papst Franziskus mit eindeutigen Worten und Gesten an die Option der Kirche für die Armen, Schwachen und Ausgegrenzten erinnert habe.

Als Christenpflicht bezeichnete Bischof Fürst die Hilfe für Flüchtlinge. Sie sei „kein zeitgeistig inspiriertes Gutmenschentum“, sondern „Ausdruck und Konsequenz aus dem christlichen Glauben und aus dem Selbstverständnis unserer Ortskirche“. Folgerichtig habe der Diözesanrat als Kirchensteuervertretung Ende des vergangenen Jahres beträchtliche außerordentliche Mittel für weltkirchliche Arbeit und für Flüchtlingshilfe eingesetzt. Mit diesen Mitteln könne unter anderem in dem seit längerem leer stehenden Kloster auf dem Martinsberg in Weingarten Herberge geschaffen werden für Flüchtlinge.

„Dass Kirche Geld hat, ist an und für sich nichts Schlechtes“, betonte der Bischof. Es komme darauf an, wie sie damit umgehe. Die katholische Kirche verfüge in Deutschland über ein großes Vermögen und erhebliche finanzielle Ressourcen. Wo sie etwa mit Schulen, Kindergärten oder Seniorenzentren Akzeptanz finde, da leiste sie in der Nachfolge Christi einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl.

Bereits auf ihrer Synode 1985/1986 habe sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart besonders einer „Option für die Armen“ verpflichtet, erinnerte Bischof Fürst. Entscheidende Impulse dazu habe sie aus Lateinamerika bekommen. „Von den Armen her wird dort die Pastoral gestaltet.“ Franziskus, der Papst aus Argentinien und erster Nichteuropäer in diesem Amt, rede und handle in dieser Linie.

Allen Menschen, die nach dieser Option sich in Dekanaten und Gemeinden für Arme und Ausgegrenzte einsetzen, dankte Bischof Fürst. Besonders hob er die haupt- und die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Caritas hervor, die sich eindrucksvoll in Projekten und Initiativen der Migranten- und der Flüchtlingshilfe engagierten. So betreue der Caritasverband viele hundert Flüchtlinge in kommunalen Einrichtungen und leite diese sogar teilweise. Solche Hilfe erfordere menschliche, geistliche und finanzielle Kraft. „Auch hier muss das der Kirche zur Verfügung stehende Geld dienen, dem Dienst an den Menschen und zu deren Heil.“

Uwe Renz

Videoaufzeichnung der Neujahrsansprache des Bischofs

Wortlaut der Neujahrsansprache des Bischofs