Förderer, Dialogpartner und Kritiker

Mit seiner sprachlichen Gestaltungskraft Berge zu versetzten, das kann man als den größten Verdienst Bernhard Hansslers bezeichnen. Als Theologe und Mann des Dialogs war er Repräsentant eines weltoffenen Katholizismus. Durch zahlreiche Beiträge zu den Zukunftsfragen des Verhältnisses zwischen Kirche, Gesellschaft und moderner Kultur hat Hanssler maßgeblich den theologischen Dialog 20. Jahrhunderts beeinflusst. Dennoch ist er zeitlebens auch Seelsorger geblieben.

Bernhard Hanssler wurde am 23. März 1907 in Tafern bei Überlingen geboren. Nach seinem Theologiestudium und der Priesterweihe am 19. März 1932 in Rottenburg, wurde er zunächst Vikar in der Kirchengemeinde St. Michael zu den Wengen in Ulm. Seit 1934 Jugendpfarrer und ab 1936 Studentenseelsorger in Tübingen, stand er mit jungen Christen in ständigem Dialog. In seine Tübinger Zeit fällt auch das Rede- und Schreibverbot, das ihm die Gestapo wegen regimekritischer Äußerung auferlegte.

Von 1945 bis 1951 wirkte Hanssler als Gemeindepfarrer und Seelsorger in Schwäbisch Hall und von 1952 bis 1955 in Stuttgart. Hanssler war Mitbegründer des Cusanuswerks, der Studienförderung der Deutschen Bischöfe, das er ab 1956 selbst leitete. Seit 1957, in den wichtigen Jahren vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, war Hanssler geistlicher Direktor des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in Bad Godesberg und später dessen Bischöflicher Assistent.

1970 wechselte er nach Rom. Dort war er bis 1974 Rektor des deutschen Priesterkollegs Santa Maria in Campo Santo. Nach kurzer Lehr- und Vortragstätigkeit in Bochum kehrte er 1981 74-jährig in die Diözese Rottenburg-Stuttgart zurück, wo er zehn Jahre lang das Amt des Akademikerseelsorgers in Stuttgart inne hatte.

Hanssler, der auch Mitbegründer und Spiritual der "Katholischen Ärztearbeit Deutschlands" und Mitglied des Deutschen Bildungsrates war, erhielt mehrfach Auszeichnungen. Am 24. März 1961 wurde ihm der Titel "Päpstlicher Ehrenprälat" verliehen. Von Ministerpräsident Erwin Teufel erhielt er 1995 die Ehrenprofessur.

Bernhard Hanssler verfasste zeitlebens zahlreiche Schriften, so z. B. "Die Kirche in der Gesellschaft" (1961) und "Glaube aus der Kraft des Geistes" (1982), um zwei der bedeutendsten zu nennen. Zu seinem 90. Geburtstag erschien die Biografie "Die Geschichte und die Macht – Bernhard Hanssler" des Wirtschaftsjournalisten Rainer Hank.

Das Requiem für den Verstorbenen am Dienstag, den 16. August, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Sebastian in Pfrungen (Dekanat Ravensburg) hält Prälat Werner Redies. Anschließend findet die Beerdigung auf dem dortigen Friedhof statt. Am 24. September gedenkt die Kirchengemeinde St. Eberhard in Stuttgart Prälat Bernhard Hansslers in einem Seelenamt.