Fragestellungen von Religion und Glauben wach halten

Dies hat Bischof Gebhard Fürst am Samstag, 26. Juli, bei der kirchlichen Beauftragung von 66 Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten für den Religionsunterricht, der Verleihung der so genannten „Missio canonica“, in der Ulmer Kirche St. Maria Suso betont. Schulischer Religionsunterricht sei „im Spannungsfeld von Bekenntnis und Dialog mit Welt und Gesellschaft zu verorten“, sagte der Bischof. Darin habe er seine tragfähige Begründung.

Lehre und Verkündigung würden glaubwürdig durch ein Leben, das dieser Botschaft entspreche, so Bischof Fürst. Darin bestehe das unterscheidend Christliche und das Alleinstellungsmerkmal des Religionsunterrichts. Darin unterscheide er sich auch wesentlich vom Ethikunterricht. Drei „Grundbewegungen“ machten dabei das Leben eines glaubwürdigen Botschafters aus: Aufstehen zum Leben gegen alle Enttäuschung und Resignation, Nachfolge Jesu und die Bereitschaft, sich selbst in den Dienst nehmen lassen.

„Missio“ bedeute Sendung, sagte der Bischof den angehenden Religionslehrerinnen und –lehrern. Wenn sie also im Namen der Kirche „auf Sendung“ gingen, übernähmen sie die große Verantwortung, die „Frohe Botschaft schlechthin“ weiterzugeben an junge Menschen, die heute dringender denn je auf ein Zeugnis der Hoffnung warteten. Kinder und Jugendliche bräuchten heute keine Verdoppelung ihrer Resignation und Hoffnungslosigkeit, sondern die „widerständige Erfahrung einer frohen Botschaft vom Leben, das ihrem eigenen Leben Sinn und Orientierung geben“ könne. Weil es im Religionsunterricht um persönliche Orientierung und Identitätsfindung gehe, verstehe es sich von selbst, dass er nur von Personen unterrichtet werden könne, die den christlichen Glauben auf der Basis ihrer eigenen Erfahrung und ihres eigenen Lebens darstellen können. Dies sei ohne lebendigen Bezug zur Kirche nicht möglich, sagte Bischof Fürst.

Der Missio-canonica-Verleihung in Ulm für Religionslehrerinnen und –lehrer des südlichen Teils der Diözese folgt für die nördliche Region am 11. Juli in der Salvator-Kirche in Stuttgart-Weilimdorf (Giebel) eine zweite Verleihung an weitere 110 Pädagogen. Insgesamt erhalten in diesem Jahr 191 Lehrerinnen und Lehrer die Missio canonica.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart erteilen derzeit 6.416 Männer und Frauen katholischen Religionsunterricht. Davon stehen 4.262 im staatlichen Schuldienst, 1.334 im Kirchendienst und 820 im Privatschuldienst.

Dr. Thomas Broch