Freiheit als Lebenssinn und als Ahnung Gottes

Als „eine herausragende Geistesgröße und zugleich als einen Menschen von tiefer Spiritualität“ hat Bischof Gebhard Fürst den verstorbenen ehemaligen Tübinger Hochschullehrer gewürdigt. Möller habe den Studierenden an der theologischen ebenso wie an der philosophischen Tübinger Fakultät über Jahrzehnte hinweg „anspruchsvollste denkerische Kost“ geboten und ihnen geistige Horizonte eröffnet, deren Weite viele oft erst viel später erkannt hätten. Generationen von Geistlichen der Diözese seien von ihm „durchaus anspruchsvoll gefordert und nachhaltig geprägt“ worden. Bis in sein hohes Alter, so Bischof Fürst, habe Möller „in engagierter Zeitgenossenschaft“ die aktuelle philosophische Diskussion ebenso aufmerksam und kenntnisreich verfolgt wie die Entwicklungen in Literatur, Musik und gestaltender Kunst, in Kirche, Politik und Gesellschaft. Als Priester und Theologe sei er von der Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt gewesen, an dem er als Berater teilgenommen hatte. Dem Geist des Konzils sei er zutiefst verbunden gewesen. Das große und zentrale Thema seiner Philosophie– insbesondere in den späteren Jahren – sei die Freiheit gewesen, betonte der Rottenburger Bischof, der Möller in seiner Zeit als Stuttgarter Akademiedirektor gerne als Referenten eingeladen hatte. Durch seine Anthropologie habe Möller Grundlegendes zu einem christlichen Bildungsverständnis beigetragen, seine Ethik sei eine solide denkerische Grundlage für eine Politik der Menschenrechte. Der Freiheit sei vor allem Möllers „faszinierendes Alterswerk“ gewidmet gewesen, sagte Bischof Fürst. Zuletzt hatte Möller im Frühjahr 2007 als dritten Band einer „Trilogie der Freiheit“ das Buch „Das Mystische begreifen?“ veröffentlicht. Freiheit als Sinn des menschlichen Lebens und als Ahnung des Geheimnisses Gottes, so Bischof Fürst, bleibe über dessen Tod hinaus Joseph Möllers philosophisches, theologisches und spirituelles Vermächtnis.