Corona

„Frieden heißt: Solidarität und Rücksicht“

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger kamen am Samstag zum ökumenischen Friedensgebet mit dem evangelischen Pfarrer Tilmann Just-Deus und dem katholischen Dompfarrer Harald Kiebler in den Rottenburger Dom. Bild: drs/Tobias Döpker

Mit einem ökumenischen Friedensgebet im Dom setzen die Kirchengemeinden ein Zeichen gegen das in Rottenburg angekündigte „Friedensfest“.

Die evangelische und beide katholischen Kirchengemeinden Rottenburgs hatten am Samstagvormittag zu einem ökumenischen Friedensgebet in den Dom St. Martin eingeladen, und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung gefolgt.

Man wolle mit dem gemeinsamen Gebet ein bewusstes Zeichen gegen das in der Stadt angekündigte „Friedensfest“ setzen, sagte Dompfarrer Harald Kiebler. Verschiedene Gruppierungen aus der "Querdenker- und Corona-Leugner-Szene" hatten für diesen Samstag zu mehreren Demonstrationen und unter anderem auch zu einem „Friedensfest“ in die Bischofsstadt eingeladen.

Es sei zu befürchten, dass das sogenannte „Friedensfest“ nicht Frieden, sondern Unfrieden in unsere Stadt bringe, so der evangelische Pfarrer Tilmann Just-Deus. „Der Frieden zu dem wir uns als Christen bekennen, grenzt niemanden aus – auch nicht Menschen, die anderer Meinung sind“, sagte Just-Deus während des Gebets im Rottenburger Dom.

Diese christliche Friedensbotschaft war auch auf großen Transparenten, die an verschiedenen Gebäuden in der Innenstadt hingen, deutlich präsent. So hing über dem Hauptportal des Domes ein Transparent mit dem Schriftzug „Frieden heißt: Liebe zur Wahrheit“, während es auf dem Plakat, das am „Haus am Nepomuk“ am Neckarufer hing, hieß „Frieden heißt: Solidarität und Rücksicht“. Weitere Banner hingen an der evangelischen Kirche und am Bischöflichen Ordinariat.

Zum Abschluss des ökumenischen Friedensgebets verlasen Harald Kiebler und Tilmann Just-Deus eine gemeinsame Erklärung, in der sie klar Stellung bezogen und für die sie langanhaltenden Applaus der Gottesdienstbesucher bekamen. Darin heißt es unter anderem: „Wir wehren uns dagegen, den Friedensbegriff zu missbrauchen, sofern er dazu dienen soll, Unfrieden, Unwahrheiten, Hass und Gewalt in unser Gemeinwesen zu tragen. Frieden heißt für uns: Liebe zur Wahrheit, Solidarität und Rücksicht, dem Hass widerstehen und Menschenwürde für alle“.

Kiebler und Just-Deus betonten, dass sie verstehen, wenn Menschen sich fragten, ob die Maßnahmen gerechtfertigt seien, wandten sich aber strikt gegen jegliche Leugnung oder Verharmlosung der Krise. Und sie betonten: „Wir wenden uns gegen jede Anfeindung und Verleumdung von Verantwortungsträgern und sehen die Einhaltung demokratisch legitimierter behördlicher Regelungen zur Eindämmung des Corona-Virus als Zeichen der Solidarität und Verantwortung für die besonders gefährdeten Menschen unter uns“.