Friedvolles Zusammenleben der Religionen bedeutet Unterstützung der Minderheiten vor Ort

Am zweiten Tag seiner Reise in die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina besuchte er dieses 2007 gegründete Institut in Trägerschaft des dortigen Interreligiösen Rats, dem Repräsentanten der Römisch-Katholischen und der Serbisch-Orthodoxen Kirche sowie der Islamischen und der Jüdischen Gemeinde von Bosnien-Herzegowina angehören. Die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart war an der Entwicklung des Interreligiösen Instituts maßgeblich beteiligt. Seit Bestehen der Diözesan-Akademie habe man dort die Begegnung der Religionen auf Augenhöhe als Grundlage eines friedlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens gesehen, betonte Bischof Fürst. Dialog sei das neue Wort für Frieden, so der Bischof unter Berufung auf seinen Amtsvorgänger Walter Kasper. Dieser Dialog sei in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts und in der globalisierten Zivilgesellschaft jeweils vor Ort das notwendige und charakteristische Kennzeichen eines gemeinsamen Lebens.

Das Interreligiöse Institut von Bosnien und Herzegowina arbeitet mit einheimischen und mit internationalen Organisationen wie dem Weltkirchenrat oder der OSZE, aber auch mit deutschen Organisationen wie der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Bundesstiftung Umwelt oder dem Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg zusammen. Mit letzterem wird es sich im August 2010 an einem Seminar in Auschwitz beteiligen. Neben der Publikationstätigkeit gehören zu den Einzelinitiativen des Instituts etwa ein Projekt zu Medien und Religion, ein Bildungsangebot für religiöse Beamte, ein Projekt „Offene Türen“, in dem Schülerinnen und Schülern in Sarajevo und anderen Städten des Landes die religiösen Stätten aller Religionen zugänglich gemacht werden. Ein umfangreiches Umweltprojekt als Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung der Religionen ist in Vorbereitung, soziale Seminare werden neben Bosnien-Herzegowina auch in Serbien, Rumänien und Bulgarien durchgeführt.

Das Interreligiöse Institut ist auch auf der politischen Ebene aktiv. Ein Vorschlag für ein Antidiskriminierungsgesetz und für Religionsfreiheit wurde dort erarbeitet und ist inzwischen durch den Präsidenten von Bosnien-Herzegowina als Gesetzesvorlage angenommen worden. Bei Maßnahmen gegen Antidiskriminierung ist für die Mitarbeitenden des Instituts aber auch das alltägliche Umfeld von entscheidender Bedeutung. Probleme, so berichten sie dem Gast aus Deutschland, hätten immer etwas mit Minderheitensituationen zu tun. Je nach Region, ja nach Stadtbezirk könne dies Katholiken, Orthodoxe, Muslime oder Juden betreffen. Ihr Prinzip sei es, dass bei konkreten Konflikten etwa mit der Verwaltung oder mit dem Bevölkerungsumfeld der Repräsentant der Mehrheit die Vertreter der Minderheit begleiteten und unterstützten. Das könne die unterschiedlichsten Koalitionen der gegenseitigen Unterstützung von Katholiken, Orthodoxen, Muslimen oder Juden mit sich bringen.

Dr. Thomas Broch