Gedenken an mutigen Glaubenszeugen

Der 1876 in Stuttgart geborene Jesuitenpater und in München von den Nationalsozialisten verfolgte Regime-Gegner habe sich als mutiger Glaubenszeuge bewährt, sagte Domkapitular Rudolf Hagmann am Mittwoch bei der Feier in Stuttgart. „Pater Mayer ist nie umgefallen.“ Es sei richtig gewesen, dass die Diözese dem bisherigen Karl-Adam-Haus den Namen des NS-Gegners und 1987 seliggesprochenen Paters gegeben habe. Karl Adam sei ungeachtet seiner theologischen Verdienste als Namensgeber nicht mehr tragbar gewesen. Der im gleichen Jahr wie Mayer geborene Adam hatte sich während der NS-Zeit mehrfach rassistisch und antisemitisch geäußert.

Pater Mayer, der in Folge einer siebenmonatigen KZ-Haft und massiver Repressalien ein halbes Jahr nach Kriegsende an Allerheiligen 1945 in München starb, stellte sich nach den Worten Hagmanns „mit aller Freimütigkeit einer menschenverachtenden Ideologie entgegen“. Bereits 1930 habe er dem damaligen Münchner Kardinal Faulhaber berichtet: “Unbegreiflich, aber wahr ist es, dass der Hitlerschwindel wieder die weitesten, auch katholischen Volkskreise erfasst hat“. Die Erinnerung an Pater Mayer hat Hagmann zufolge für seine Heimatdiözese und für seine Heimatstadt Stuttgart ganz besondere Bedeutung.

Rupert Mayer war am 23. Januar 1876 in Stuttgart geboren worden; sein Elternhaus steht dort am Marktplatz. Er verbrachte Kindheit und Schulzeit in Stuttgart. Nach dem Abitur studierte er in Fribourg, München und Tübingen katholische Theologie und wurde 1899 in Rottenburg zum Priester geweiht. Ein Jahr später trat er dem Jesuitenorden bei und kam nach Jahren als Volksmissionar in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden 1912 als Männerseelsorger nach München.

Im Ersten Weltkrieg erlitt Pater Mayer 1916 eine lebensgefährliche Verletzung im rumänischen Sultatal, weil er sich schützend über einen Soldaten gebeugt hatte; sein linkes Bein musste amputiert werden. 1918 wurde er in München als Präses der Marianischen Männerkongregation zur „Stimme der Katholiken“. Früh warnte er vor den Gefahren des Nationalsozialismus und wurde 1937 zum ersten Mal verhaftet. 1939 verurteilte ihn das NS-Regime zu sieben Monaten Isolationshaft im KZ Sachsenhausen. Nach der Freilassung mit der Auflage eines Predigtverbotes musste er die Zeit bis zum Kriegsende unter Gestapo-Bewachung im Kloster Ettal verbringen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete der gesundheitlich in Folge der Haft schwer angeschlagene Pater wieder als Seelsorger in München; am Allerheiligentag 1945 starb er während der Messe in der Münchner Michaelskirche. Begraben ist der 1987 in München von Papst Johannes Paul II selig gesprochene Stuttgarter in der Münchner Bürgersaalkirche der Marianischen Männerkongregation. Sein Gedenktag ist der 3. November.

Zur Umbenennung des bisherigen Karl-Adam-Hauses hatte sich Bischof Fürst entschlossen, nachdem in der verstärkten Auseinandersetzung der vergangenen Jahre mit der NS-Geschichte Adams Haltung inner- und außerhalb der Kirche kritisiert worden war. „Adam kann als politisch und weltanschaulich in Teilen irregeleitetes Kind einer unseligen Zeit für heutige Generationen keine Orientierung bieten“, betonte Bischof Fürst. Rupert Mayer dagegen sei ein starkes Vorbild des Mutes und der Standhaftigkeit gegenüber unmenschlichen Ideologien. Unbenommen davon seien die theologischen Leistungen Adams als eines der damals meist gelesenen Theologen zu würdigen. Das Rupert-Mayer-Haus ist ein Wohnheim für Studenten und Sitz der Katholischen Hochschulgemeinde sowie der Psychologischen Beratungsstelle „Ruf und Rat“.

Uwe Renz