Gegen eine Erosion des Vertrauens zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Kirche und Wirtschaft müssten einander begegnen, um Rahmenbedingungen zu entwickeln, innerhalb derer „Wirtschaft und Unternehmertum überhaupt handeln sollen und gut handeln können“, sagte Bischof Fürst. Zur leitenden Idee einer sozialen Gerechtigkeit gehörten etwa Modelle für gerechten Lohn oder ein gerechtes Zusammenleben am Arbeitsplatz.

Die Skandale der jüngsten Zeit in der deutschen Wirtschaft bezeichnete Bischof Fürst als erschütternd, auch wenn man diese Vorkommnisse nicht verallgemeinern dürfe. „Ist die Wirtschaft dabei, die Ethik völlig zu vergessen?“, fragte er dennoch kritisch. Diese Skandale tragen nach Ansicht des Bischofs dazu bei, dass „das Vertrauen in eine Gesellschaftsordnung zerstört“ wird. „Wir nehmen einen massiven Werteverlust wahr und sehen herausragende Persönlichkeiten, die ihre Verantwortung vernachlässigen und in ihrer Glaubwürdigkeit erschüttert sind“, monierte Bischof Fürst. Dem müsse man „massiv entgegenwirken“. „Denn letztlich“, betonte der Bischof, „leben wir in einer Gesellschaft und brauchen deren Zusammenhalt.“ Es könne sonst zu einer „Erosion des Vertrauens zwischen Wirtschaft und Gesellschaft“ kommen. „Misstrauen untereinander führt leicht zu einer gnadenlosen Missachtung, Verdrängung und Vernichtung des Schwächeren“, betonte der Bischof.

Bischof Fürst forderte für die Wirtschaft einen „moralischen Kompass“. Es könne nicht nur um materielle Werte gehen. Notwendig seien „Werte, die unser Handeln leiten: nicht betrügen, ehrlich sein, verlässlich sein“. Es zeige sich immer wieder, dass Unternehmen, deren Verantwortliche von ethischen Grundsätzen geleitet seien, „wirtschaftlich langfristig erfolgreicher handeln und sich nachhaltiger entwickeln als solche, die sich nur Erfolge des nächsten Tages freuen und Wertschöpfung einseitig mit ökonomischer Gewinnsteigerung verwechseln“.

Der entscheidende Hintergrund für die Begegnung von Wirtschaft und Kirche sei „das christliche Bild vom Menschen als Person“, unterstrich Bischof Fürst. Der Mensch habe eine „Würde als Person, er ist keine Sache, kein Ding“. Als Gottes Ebenbild sei er herausgefordert, sich „schöpferisch einzubringen und die Welt verantwortlich zu gestalten“. Hier liege die Grundlage für unternehmerisches Handeln, sagte der Bischof.