Preisverleihung

Gegen menschenfeindliche Ideologien

Bei einer Preisverleihung in der Rottenburger Festhalle würdigte Bischof Gebhard Fürst die Arbeiten von 24 Schülerinnen und Schülern aus ganz Württemberg. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Gregor Moser

Bei einer Preisverleihung in der Rottenburger Festhalle würdigte Bischof Gebhard Fürst Schüler-Arbeiten des Wettbewerbs „Standhaft im Glauben - (M)einen Standpunkt vertreten". Mit auf dem Bild ist auch Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der Hauptabteilung Schulen (zweite von rechts). Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Gregor Moser

Bei einer Preisverleihung in der Rottenburger Festhalle würdigte Bischof Gebhard Fürst die Arbeiten von 24 Schülerinnen und Schülern aus Württemberg.

Sie hatten sich anlässlich des Wettbewerbs „Standhaft im Glauben - (M)einen Standpunkt vertreten“ kritisch mit aktuellen Herausforderungen für die Demokratie auseinandergesetzt. Die ersten drei Preise gingen an Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Stuttgart, Heilbronn und Leutkirch. 

Ausgerichtet worden war der Wettbewerb anlässlich des 150. Geburtstags des von den Nationalsozialisten aus seiner Diözese verbannten Bekennerbischofs Joannes Baptista Sproll durch die Hauptabteilung „Schulen“ des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg a. N. für Teilnehmende ab der siebten Klasse an Katholischen Freien Schulen, allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie an den Fachschulen für Soziale Berufe im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Insgesamt wurden zehn Arbeiten ausgezeichnet.

Bischof Sproll stand dabei als Vorbild für einen aus dem Glauben heraus vertretenen Standpunkt und durch die Beschäftigung mit ihm als historischem Vorbild sollten die Teilnehmer erfahren, was es bedeutet, sich, aus einer christlichen Grundhaltung heraus, in schwieriger Zeit zu positionieren. Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb hatte Bischof Dr. Gebhard Fürst übernommen. 

Wettbewerb soll demokratische Grundhaltung fördern

Bischof Dr. Fürst erinnerte anlässlich der Preisverleihung daran, dass der Wettbewerb einen Beitrag dazu leisten wollte, dass junge Menschen eine demokratische Grundhaltung ausbilden können und in ihrem christlichen Widerspruchsgeist gegen demokratiefeindliche Ideologien gestärkt werden. „Ihr habt euch mit dem historischen Vorbild Bischof Sprolls befasst. In seiner Person seid Ihr einer christlichen Grundhaltung begegnet, die sich bewusst gegen menschenfeindliche Ideologien, gegen Hetze und Hass und gegen die Aufkündigung der gleichen Würde aller Menschen eingesetzt hat“, wandte sich Fürst an die Preisträgerinnen und Preisträger und hob hervor, dass die Wettbewerbsarbeiten unter den erschwerten Bedingungen des Lockdowns in Phasen des Fernunterrichts erstellt wurden. „Dennoch war es eine entscheidende Wahrnehmung bei allen Wettbewerbsarbeiten, dass trotz der Krisensituation und trotz der gerade für junge Menschen oftmals bedrückenden Entwicklungen in unserer Welt und Gesellschaft, aus den Wettbewerbsarbeiten kein Pessimismus, sondern eine hoffnungsvolle Grundhaltung spricht.“

Brücke zu heutigen Herausforderungen für die Demokratie geschlagen

Bei ihrer Begrüßung stellte Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der Hauptabteilung Schulen, fest, dass es durch die intensive Beschäftigung mit Bischof Sproll gelungen sei, eine Brücke zu heutigen Herausforderungen für die Demokratie zu schlagen. Dabei seien ganz unterschiedliche Bereiche in den Blick genommen worden, in denen heute grundlegende Menschenrechte verletzt werden und wo es gelte, klare Kante zu zeigen und sich so wie Bischof Sproll mutig und deutlich zu Wort zu melden. Beispielhaft nannte Augustyniak-Dürr die Black Lives Matter-Bewegung, Fridays for Future-Aktionen, das Eintreten für Menschen mit besonderen Bedarfen, den Kampf gegen Mobbing und Diskriminierung sowie das Verhindern von Fake News. 

Multimedia Reportage

"Ungebrochen im Glauben" - Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll

Sich an Bischof Sproll zu erinnern ist also keine rückwärtsgewandte Aktivität, sondern das Erinnern ist wegweisend für die Zukunft.
Augustyniak-Dürr

Die klare Orientierung Sprolls an seinem Glauben und den christlichen Werten sei für ihn die Grundlage für seine kritischen Positionierungen gegen den Nationalsozialismus gewesen. „Sich an Bischof Sproll zu erinnern ist also keine rückwärtsgewandte Aktivität, sondern das Erinnern ist wegweisend für die Zukunft“, hielt Augustyniak-Dürr fest. „Das ist der Sinn von Vorbildern, der Sinn auch der Heiligenverehrung: Lebensbilder vor Augen zu haben, an denen wir uns orientieren können, an denen wir unser eigenes Leben spiegeln können, damit der Glanz des Vorbildes, seine Orientierung, seine Hilfestellung für unsere Fragen und Entscheidungsnotwendigkeiten aufscheinen kann.“

Im Anschluss an die Preisverleihung fand ein Podiumsgespräch zum Thema „(Religiöse) Vorbilder und Demokratiebildung heute“ statt. Auf dem Podium mit dabei waren die Preisträgerinnen und Preisträger des ersten und zweiten Preises gemeinsam mit Kevin Erath vom Vorstand des Landesschülerbeirats Baden-Württemberg, Dr. Thomas Hölz, Leiter des Referats „Allgemein bildende Gymnasien“ im Regierungspräsidium Stuttgart, sowie Domkapitular und Offizial Thomas Weißhaar.

Die Gewinner

Erster Platz: Helen Stijger, Johanna Stöhr und Inga Wiltschko vom St. Agnes Mädchengymnasium in Stuttgart mit dem E-Book „Weck den Sproll in Dir! Gib Ausgrenzung keine Chance!“

Zweiter Platz: Anna Bothe, Nico Butsch und Lara-Joy Zeiler vom Justinus-Kerner-Gymnasium in Heilbronn mit dem Drehbuch Tagesschau extra „Fortiter in fide - Standhaft im Glauben angesichts heutiger Herausforderungen, eine Sondersendung zum 150. Geburtstag von Joannes Baptista Sproll“

Dritter Platz: Daniel Seebaur und Amelie Valec von der Stiftung St. Anna SBBZ emotionale-soziale Entwicklung in Leutkirch mit dem Plakat „Rassistische Denkmuster erkennen“

Vierter Platz: Jana Rosa Heizmann vom Immanuel-Kant-Gymnasium in Tuttlingen mit der Installation „Schiff“

Fünfter Platz: Lea Schoßer und Svenja Gasper vom Bischof Sproll Bildungszentrum in Biberach mit ihrem Videoclip „Bischof Sproll“

Sechster Platz: Celina Lüllig und Carolin Walter vom Schlossgymnasium Künzelsau mit dem Ordner: „Was wir von Joannes Baptista Sproll in der heutigen Zeit lernen können“

Siebter Platz: Sophie-Marie Nagel und Alex Rodriguez von der Gewerblichen Schule Göppingen mit ihrer Arbeit „Karikatur und Analyse“

Achter Platz: Hamadi Drira, Dennis Eichler und Laura Reschke von der Stiftung St. Anna SBBZ emotionale-soziale Entwicklung in Leutkirch mit ihrem Ringbuch „Toleranz und Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung“

Neunter Platz: Lea Egle, Felina Kammerer und Maja Mahle vom Bischof Sproll Bildungszentrum Biberach mit ihren Wegkarten Bischof Sproll

Zehnter Platz: Viktoria Amann, Robin Barton und Helena Wieland, ebenfalls vom Bischof Sproll Bildungszentrum in Biberach mit dem Tafelbild Bischof Sproll „Schutzblase“. 

Zum Hintergrund:

Unter den deutschen Bischöfen war Joannes Baptista Sproll aus Rottenburg neben dem seliggesprochenen Kardinal Clemens August von Galen der Einzige, der den nationalsozialistischen Machthabern des Dritten Reichs öffentlich, eindeutig und entschieden die Stirn bot. Sproll war zudem der einzige Bischof in der Zeit des Nationalsozialismus, der seine Diözese verlassen und ins Exil gehen musste. Zum offenen Bruch mit dem Regime war es im Jahr 1938 gekommen, als Sproll bei der Volksabstimmung zur Angliederung Österreichs, bei der gleichzeitig auch über die Zustimmung zum „Großdeutschen Reichstag“ und zur „Liste unseres Führers“ entschieden wurde, die Stimmabgabe verweigerte. Wenige Tage später erhielt er das Aufenthaltsverbot für Württemberg und musste die Diözese verlassen.

Hinweis:

Aktuelle Bilder von der Preisverleihung finden Sie ab Freitagabend unter: https://medienpool.drs.de/web/4a8a24c3358590e5/preisverleihung-bischof-sproll-wettbewerbs/

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