Gegenmodell zur aktiven Sterbehilfe

Im Rahmen einer Feier zum 15-jährigen Bestehen der Palliativstation im Stuttgarter Marienhospital sagte die Ordinariatsrätin: „Wer auch immer wo auch immer stirbt, hat Anspruch auf qualifizierte Betreuung im Sinne von Palliativ Care“, das heißt auf eine ganzheitliche Pflege und Begleitung auch dann, wenn Möglichkeiten der Heilbehandlung am Ende sind. So notwendig der Aufbau von speziellen stationären Strukturen sei, so dürfe doch nicht übersehen werden, dass viele ältere Menschen zuhause und in Altenhilfeeinrichtungen fern von palliativer Hilfe seien. Stetter-Karp begrüßte entsprechende Regelungen im Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz), die es seit Ende März ermöglichen, schwerstkranke und sterbende Menschen durch spezialisierte ambulante Palliativ-Care Teams auch zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen medizinisch und pflegerisch professionell zu versorgen und und ihnen so die notfallmäßige Einweisung ins Krankenhaus zu ersparen. Besonders im ländlichen Bereich bestehe hierfür großer Bedarf. Neben der Abstimmung und Vernetzung unter den stationären und ambulanten Angeboten der Palliativversorgung, so Stetter-Karp, müssten dafür auch die ambulanten Pflegedienste verstärkt qualifiziert und auch für die seelsorgerische Begleitung von Sterbenden sensibilisiert werden.

Die weitere Ausgestaltung und „kluge Vernetzung“ stationärer und ambulanter palliativ-medizinischer Angebote sei „überzeugendes Gegenmodell zur aktiven Sterbehilfe“, betonte die Caritasreferentin in der Rottenburger Diözesanleitung. Angesichts zunehmender Forderungen nach einer Legalisierung der aktiven Sterbehilfe seien solche „überzeugende, tatkräftige Alternativen das Entscheidende, was zu tun ist“, unterstrich Stetter-Karp.

Die 1992 gegründete Palliativstation im Stuttgarter Marienhospital war die erste Einrichtung dieser Art in der Region Stuttgart. Sie gehörte im Rahmen eines Modellprojekts zu den ersten 12 Palliativstationen in Deutschland. Die Beteiligung an der Modellphase vor 15 Jahren würdigte die Ordinariatsrätin als „zupackende Gestaltung der Chance, todkranken Menschen und ihren oft bis an die Grenzen geforderten oder gar überforderten Angehörigen Begleitung und Hilfe zu geben“. Ebenso begrüßte sie die Gründung eines Förderereins, in dem über 1.000 Mitglieder den laufenden Betrieb der Station finanziell unterstützen. An solchen solidarischen Netzen zeige es sich, ob „die Gestaltungskraft des Sozialen in der postmodernen Zivilgesellschaft sich beweisen oder scheitern würde“, sagte Stetter-Karp. Dies sei von Bedeutung angesichts eines „zum Teil manövrierunfähigen Staates“, der Sozialpolitik mehr vom Fordern als vom Fördern her definiere und der in Gefahr stehe, „Heilen und Heilung allzu sehr auf die Gesetzmäßigkeit von Euro, Cent und nackter Betriebswirtschaft zu konzentrieren“.