Martinusmedaille

Gelebte christliche Solidarität

Von links: Dr. Helga Römer, Andrea Kern, Iris Herzogenrath, Bischof Gebhard Fürst, Rudolf Rupp und Luitgart und Rainer Wamsler. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Constanze Stark

Von links: Dr. Helga Römer, Andrea Kern, Iris Herzogenrath, Bischof Gebhard Fürst, Rudolf Rupp und Luitgart und Rainer Wamsler. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Constanze Stark

Bischof Gebhard Fürst zeichnet sieben Frauen und Männer für ihr Engagement um den Nächsten mit der Martinusmedaille aus.

Bischof Dr. Gebhard Fürst ehrte sieben engagierte Frauen und Männer aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die sich aus ihrem Glauben heraus für andere Menschen einsetzen, mit der Martinusmedaille. Die Verleihung erfolgte am Sonntag, 14. November, im Anschluss an das Pontifikalhochamt zu St. Martin im Rottenburger Dom.

Mit Blick auf die diesjährigen Empfänger der Medaille sagte Bischof Fürst: „Unser Diözesanpatron ist vielen Menschen unserer Diözese ein großes Vorbild. Insbesondere, wenn es um den diakonischen Einsatz in unseren Gemeinden und über die Grenzen unserer Kirche hinausgeht, inspiriert er viele zum hingebungsvollen Dienst. Einige Menschen, die auf hervorragende Weise in den Spuren des heiligen Martin den Nächsten gedient haben, möchte ich auch in diesem Jahr mit der Martinusmedaille auszeichnen.“

Die Medaille wurde erstmals 1976 von Bischof Georg Moser verliehen. Die Verleihung erfolgt jährlich in der Zeit um das Martinsfest am 11. November. In diesem Jahr wurden ausgezeichnet:

Iris Herzogenrath

Iris Herzogenrath aus der Kirchengemeinde St. Martin in Weingarten sei ein „lebendiges Beispiel gelebter Ökumene“, stellte Bischof Fürst fest. Evangelisch getauft und seit Jahren eng mit der Kirchengemeinde in Weingarten und der Basilika verbunden sei sie Gründungsmitglied des „Vereins der Freunde und Förderer der Musik in der Basilika Weingarten“, dem sie bis 2015 vorstand, und habe so maßgeblich zur Sanierung der Chororgel beigetragen. Ihre hervorragende Öffentlichkeitsarbeit sowie ihre gewinnende Art hätten dafür gesorgt, dass das Projekt bei der Orgelweihe nicht nur finanziert war, sondern darüber hinaus auch zweckgebundene Rücklagen in erheblicher Höhe gebildet werden konnten.

Insgesamt zeichne sich die Geehrte dadurch aus, dass sie nachhaltige und segensreiche Ideen habe, sagte Bischof Fürst weiter und nannte beispielhaft das von ihr ins Leben gerufene „Stobels Lädele“ in der Weingartener Fußgängerzone. Herzogenrath sei auf das leerstehende Schreibwarengeschäft gestoßen, habe darin die Basis für „Stobels Lädele“ geschaffen und sich im selben Zug eines betagten hilfsbedürftigen Nachbarn angenommen. Ehrenamtlich betrieben, sei dieser Ort der Begegnung längst zur Institution geworden. Jeden Mittwoch zur Marktzeit würden dort gespendete Devotionalien für einen guten Zweck angeboten, der Arbeitskreis „Eine Welt“ der Kirchengemeinde nutze ihn regelmäßig und das Lädele sei zudem Sammelstelle für alte Handys, Münzen, Briefmarken und Brillen, die dann an andere gemeinnützige Organisationen gespendet werden. Seit nunmehr zehn Jahren kämen Menschen aber auch einfach zum Reden oder um sich im Winter aufzuwärmen. Kurzum ein Hilfsangebot, „das wir alle direkt mit dem Wirken unseres Diözesanpatrons, dem Heiligen Martin, verbinden“, sagte Fürst.

Andrea Kern

Andrea Kern aus Biberach engagiere sich seit über 40 Jahren in ihrer Kirchengemeinde „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ und darüber hinaus in der Seelsorgeeinheit Biberach Stadt, sagte Bischof Fürst. In vielen Bereichen sei sie federführende Ideengeberin. Ihre ehrenamtlichen Aufgaben führe sie mit großem persönlichem Einsatz durch – auch unter Hintanstellung persönlicher Belange. „Mit ihrer offenen, fröhlichen und freundlichen Art verstehen Sie es, Menschen für die kirchliche Mitarbeit zu gewinnen und zu motivieren“, unterstrich der Bischof. So sei Kern seit 20 Jahren Mitglied im Kirchengemeinderat und habe mit ihrer innovativen und wertschätzenden Art viele wichtige Prozesse mitgestaltet. Als Ansprechpartnerin für die Kindergärten Alfred Hirsch und St. Michael schätzten die Menschen in diesen Einrichtungen ihre Kompetenz und Zugewandtheit. Auch für die Jugendlichen der Dreifaltigkeitsgemeinde sei sie eine wichtige Kontaktperson, indem sie ihre Aktionen unterstützte und immer wieder zwischen ihnen und dem Kirchengemeinderat vermittle. Insgesamt liege Kern besonders die Familienarbeit am Herzen: Sie leite den Familienausschuss ihrer Kirchengemeinde und engagiere sich seit Jahren bei der Erstkommunionvorbereitung, in der Seniorenarbeit sowie in der Gestaltung von Familiengottesdiensten. Ein besonderes Anliegen sei Kern, die auch als Lektorin und Kommunionhelferin wirkt, zudem die Unterstützung bedürftiger Familien. Sie organisiere Familienwanderungen und zweimal im Jahr einen Basar für Baby- und Kinderartikel. In der Adventszeit gestalte sie außerdem Vorlagen für den „Lebendigen Adventskalender“.

Dr. Helga Römer

Dr. Helga Römer aus der Kirchengemeinde St. Jakobus in Leutenbach engagiert sich seit Jahrzehnten unermüdlich für ihre Gemeinde und die Seelsorgeeinheit Winnenden-Schwaikheim-Leutenbach. „Ihr Herz schlägt für Menschen in sozialen Notlagen, für die Beheimatung von Kindern und Jugendlichen in St. Jakobus, die Schaffung von Begegnungsorten und für die Kirchenmusik“, würdigte Bischof Fürst ihr Wirken und nannte Beispiele: Seit 30 Jahren engagiere sich Römer im Seniorenbesuchsdienst, davon zwei Jahrzehnte in dessen Leitungsteam. „Dank Ihrer unerschöpflichen Kreativität und Energie schenken Sie zahlreichen Senioren viele fröhliche Stunden und beraten und unterstützen diese auch in Alltagsfragen“, stellte Fürst fest und hob auch ihr Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit hervor. „Eine funktionierende Ministrantenarbeit war Ihnen stets besonders wichtig“, sagte er. Neben einer soliden Einführung in den Ministrantendienst habe dabei immer auch eine gute Freizeit- und Erlebnispädagogik dazugehört, bei der der Spaß nie zu kurz kam. „Besonders erwähnen möchte ich, dass Sie insbesondere während der Vakanzzeiten in der Kirchengemeinde St. Jakobus eine verlässliche Ansprechpartnerin in diesen Bereichen waren“, betonte der Bischof.

Auch außerhalb der Kirchengemeinde sei Römer engagiert. Dies zeige sich daran, dass sie seit 2002 Mitglied des Vereins zur Förderung der Katholischen Jugendarbeit ihrer Seelsorgeeinheit ist, der ein wichtiges Element für deren Zusammenwachsen gewesen sei. „Auch für den Orgelbauförderverein St. Jakobus Leutenbach waren Sie Ideengeberin, Mitorganisatorin und Mitwirkende bei zahlreichen Veranstaltungen“, sagte Fürst und fügte an, dass sie sich, als der Vereinszweck erfüllt war, gemeinsam mit ihrem Mann für den evangelischen Orgelbauförderverein St. Johannes einsetzte.

Nicht unterwähnt lassen wollte es der Bischof auch, dass die Geehrte seit ihrer eigenen Firmung als Lektorin tätig ist und seit mehr als 20 Jahren auch als Kommunionhelferin. „Darüber hinaus engagieren Sie sich in der Katholischen-Arbeitnehmerbewegung ebenso wie auf kommunaler Ebene als Mitglied des Partnerschaftsteams Ihres Ortes mit Ihrer ungarischen Partnergemeinde, die in der Herkunftsregion unseres Diözesanpatrons liegt“, schloss Bischof Fürst.  

Rudolf Rupp

Rudolf Rupp aus der Kirchengemeinde St. Martinus in Heilbronn-Sontheim bringe sich seit Jahrzehnten in beispielhafter Weise in das Gemeindeleben ein. „Nicht nur in den kirchlichen Verantwortungsgremien, sondern auch in vielfältigen liturgischen und karitativen Diensten helfen Sie mit, der Kirche am Ort ein überzeugendes und glaubwürdiges Gesicht zu geben“, sagte Bischof Fürst. „Menschen wie Sie sind tragende Säulen des Lebens einer Gemeinde und machen durch ihre wertvollen Beiträge deutlich, wie Kirche an vielen Orten gestaltet werden kann. Trotz mancher Schicksalsschläge haben Sie sich nicht von der christlichen Hoffnung abbringen lassen und sind so für viele andere zu einem Vorbild gelebten Glaubens geworden.“ 

Seit 1985 engagiere er sich außerdem als Lektor und Kommunionhelfer. „Vielen Älteren und Kranken überbrachten Sie in dieser Zeit die Krankenkommunion nach Hause und beteten mit ihnen, wenn sie dies wünschten. Gerade in den Monaten der Pandemie war und ist dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität.“ Rupp sei darüber hinaus seit zehn Jahren Teil des Geburtstagsbesuchsdiensts seiner Gemeinde und habe damit vielen Menschen große Freude bereitet.

Von 1986 bis 2005 gestaltete er die Arbeit des Kirchengemeinderats mit, gehörte fünf Jahre dem Gesamtkirchengemeinderat Heilbronn an und 25 Jahre dem Ausschuss „Feste und Feiern“ – davon fünf Jahre als dessen Vorsitzender.

Seit 1977 engagiere sich Rupp zudem in mehreren Chören und seit 1981 in unterschiedlichen Vorstandsämtern auch bei der Musikkapelle St. Martinus. Und sein Engagement erstreckte sich noch auf ein anderes Gebiet: Seit 1978 sei er so Mitglied der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und hierbei auf Orts-, Bezirks- und auf Ebene des Diözesanverbands in unterschiedlichen Funktionen bis heute aktiv. 

Eheleute Luitgard und Rainer Wamsler

Dass sich die Eheleute Luitgard und Rainer Wamsler aus der Kirchengemeinde St. Jakobus in Schwäbisch Gmünd-Bargau in beispielhafter Weise in das Gemeindeleben einbringen und ganz im Sinn ihres Eheversprechens Mitverantwortung in Kirche und Welt übernehmen, stellte Bischof Fürst anlässlich der Verleihung der Martinusmedaillen an das Ehepaar fest. „Sie tun dies mit Herzblut und einem sehr hohen persönlichen Einsatz“, sagte er. „Im Sinne des Heiligen Martin haben Sie die Menschen im Blick, die oftmals zu wenig Aufmerksamkeit erhalten – die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Seniorinnen und Senioren, für die Sie sich einsetzen und denen Sie in der Kommune und in der Kirchengemeinde eine Stimme geben.“ Seit Ausbruch der Corona-Pandemie halte das Ehepaar per Telefon Kontakt zu allen Geburtstagsjubilaren seiner Kirchengemeinde und beglücke diese an ihrem Ehrentag mit einer Gesangseinlage. „Dies ist ein gelungenes Beispiel, dass Kirche auch im Lockdown auf innovative und erfrischende Weise bei den Menschen präsent war und ist“, stellt Bischof Fürst fest.

Luitgard Wamsler trage darüber hinaus in verschiedenen Gremien Verantwortung: im Kirchengemeinderat, im Antoniusverein Bargau und vor allem in der Kinder- und Familienkatechese; seit 1995 singe sie im Kolpingchor und wirke beim jährlichen Kolping-Musiktheater mit. Rainer Wamsler habe sich über zweieinhalb Jahrzehnte im Kirchengemeinderat engagiert, sei Eucharistiehelfer gewesen und habe 40 Jahre im Kirchenchor gesungen. Gemeinsam seien die Eheleute seit Jahren auf den Spuren der Heiligen Jakobus unterwegs, betreuten Teilstrecken des Pilgerwegs, hätten diverse Pilgeraktionen ins Leben gerufen und 2020 damit begonnen, Feldkreuze und Bildstöcke am Wegesrand in Text und Bild zu dokumentieren. 
In Verbundenheit zu ihrem leider bereits verstorbenen Verwandten, dem Pallottiner-Pater Herbert Wamsler, hätten sie auch tatkräftig Missionsprojekte in Brasilien unterstützt. Ihr weltkirchliches Engagement beinhalte außerdem die Unterstützung des Projekts „Küche der Barmherzigkeit“ in Armenien und des Gesundheitszentrums der Holy Spirit Sisters sanya Juu in Tansania. 

Rudi Martin

Rudi Martin aus der Kirchengemeinde Haisterkirch im gleichnamigen Stadtteil von Bad Waldsee war bei Verleihung nicht dabei. Ihm wird die Martinusmedaille zu einem späteren Zeitpunkt verliehen. Bischof Fürst würdigte ihn als einen Katholiken, der in vielfältiger, überdurchschnittlicher und beispielhafter Weise ehrenamtlich aktiv sei. An erster Stelle nannte er dabei das Engagement Martins im Kirchengemeinderat, dem er von 1986 bis 1996 als Zweiter Vorsitzender angehörte. Martin habe darüber hinaus das ehrenamtliche Engagement anderer in der Kirchengemeinde immer sehr wertgeschätzt und gefördert und es dadurch geschafft, dass sich viele andere in das Gemeindeleben einbrachten, sagte der Bischof. Von größter Bedeutung für die Kirchengemeinde sei auch die Tatsache, dass er die gesamte Pressearbeit übernimmt. Ganz selbstverständlich sei er bei jeder Gelegenheit mit Foto und Stift dabei, er schreibe Berichte über Kirchenfeste, begleite Baumaßnahmen, hebe besondere Traditionen hervor und verfasse Nachrufe. „Rudi Martin schreibt alle Berichte objektiv, auch kritisch, aber nie verletzend“, sagte der Bischof. Und Martin sorge auch dafür, dass seine Berichte in den örtlichen Medien veröffentlicht werden und dadurch werde das Leben der Kirchengemeinde für viele Außenstehende sehr präsent. Neben dieser journalistischen Tätigkeit sei Martin viele Jahre Diözesanjugendleiter beim DJK gewesen, habe sich im Sportverein vor Ort als Jugendleiter engagiert, sei dort bis heute Leiter des „Jedermannsturnen“ und sei, über Jahrzehnte hinweg, auch kommunalpolitisch im Ortschafts-, Gemeinde- und Kreistag aktiv gewesen. Bezeichnend für sein Engagement sei zudem, dass er jahrzehntelang als Lektor und Kommunionhelfer in seiner Kirchengemeinde engagiert war, er immer in den Gottesdiensten präsent sei und er so zu seinem Glauben und seiner Überzeugung stehe.   

Hinweis:

Bilder von der Verleihung der Martinusmedaillen stehen Ihnen ab Sonntagnachmittag zum Download zur Verfügung.

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