Gelebte Liebe: die missionarische Kraft des Christentums


Dies hat Bischof Gebhard Fürst in einer Predigt anlässlich des achten Jahrestags seiner Weihe zum Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart betont. Er nahm in dieser Predigt Bezug auf das derzeitige Paulus-Jahr und zugleich auf den für die Diözese leitenden Gedanken einer missionarischen Kirche. Es gehe in diesem Bibeltext um die „Vision einer Welt, in der es sich wirklich zu leben lohnt, weil in ihr die Liebe den Ton angibt“, sagte Bischof Fürst. In einer solchen Welt könnten Menschen aufatmen.

Dabei gehe es nicht um ein angenehmes Gefühl. Eine „Liebe, die nimmer aufhört“, wie Paulus sie vor Augen stelle, sei undenkbar ohne die „Mystik des Glaubens“. Die Begegnung des Apostels mit dem „gekreuzigten Auferstandenen“ habe für diesen eine Lebenswende und die Begründung seines Glaubens bedeutet. Der Aufbruch des Apostels Paulus zur Mission im gesamten Mittelmeerraum sei undenkbar „ohne die Bereitschaft, sich ganz auf Jesus Christus und seinen Ruf einzulassen“, sagte der Bischof. In der „missionarischen Kraft von Christentum und Glaube“ sei die „große Dynamik“ und die „bis heute mitreißende Begeisterung“ des Paulus begründet gewesen. Der Maßstab dieser Verkündigung, so Bischof Fürst, sei „die Liebe Gottes zu uns Menschen“, die weit mehr sei, „als es die schönsten Worte benennen könnten“. Dies geschehe „um unseres Heiles willen“, sagte er mit Bezug auf seinen Bischofs-Wahlspruch „Propter nostram salutem“ („Um unseres Heiles willen“).

Eine Liebe, die ihr Maß an Jesus Christus nehme, erweise sich „in der Tat und durch die Tat“. Dies, so der Bischof, sei der Kern der Botschaft Jesu, wie Paulus sie verkündigt habe. Liebe in einem sehr weiten Sinn bedeute, für die anderen da zu sein sowie „die Fähigkeit, anderes Leiden so als eigenes Leid mitzufühlen, dass man darangeht, es gemeinsam zu ändern“. Diese Fähigkeit führe dazu, Strategien zu entwickeln, „um fremde Lasten mit zu tragen, weil die Trennung in Anderes und Eigenes nicht mehr gilt“, betonte Bischof Fürst. Die missionarische Kraft des Christentums habe in der Geschichte des Christentums stets im glaubwürdigen Handeln für die Menschen gelegen, die am Rand und Schatten stehen. „Machen wir gerade für sie unsere Herzen weit“, appellierte der Bischof an seine Zuhörer. „Denn so können wir – oft überzeugender als mit vielen Worten – die Herzen der Menschen für ein Leben aus dem Glauben gewinnen.“