„Gemeinde der Zukunft bedeutet Gemeinschaft und missionarische Ausstrahlung“

Dass Jesus die Jünger nicht allein, sondern stets zu zweit ausgesandt habe, sei für eine christliche Gemeinde normativ, betonte Weihbischof Kreidler. Gemeinde bedeute Einladung zur Gemeinschaft und lebe von „gegenseitigem Unterstützen, Freundschaft, Kooperation“. Dies bewirke Ausstrahlung. Die Augen der Menschen begännen nur dann von innen her zu strahlen, wenn sie von anderen Augen liebevoll und wertschätzend getroffen würden. Dabei gehe es um „eine Solidarität in der Stärke und eine Solidarität in der Schwäche“, sagte Kreidler. Wer in der Schwäche allein bleibe, sei sehr einsam. Aber auch der, der in der Stärke nur auf sich selbst bauen könne, bleibe „eben einsame Spitze“.

Das zweite Kennzeichen, eine „missionarisch ausstrahlende Gemeinde“, bedeute, die eigenen Quellen ebenso im Blick zu haben wie die Situationen der Menschen. Die Kirche verliere ihre Strahlkraft, wenn „der Glaube völlig durch Lehre, die Anbetung durch Zucht, die Liebe durch Gewohnheit ersetzt“ werde. Die Kirche müsse „eine Stimme des Mitleids sein und aus einer lebendigen Quelle leben“, betonte Weihbischof Kreidler. Wolle die Kirche heute auf eine Weise missionarisch sein, die angesichts der weltanschaulichen Pluralität nicht peinlich sei, bedürfe sie einer „ebenso charmanten wie klaren Ausstrahlung“. Das bedeute, einzustehen für ein lebensbejahendes Klima in der Gesellschaft. „Quengelnde Kinder, provozierende Jugendliche, kritische und zweifelnde Erwachsene, gebrechliche alte Menschen – sie gehören, wenn wir Kirche Christi sein wollen, zu uns“, so der Weihbischof. Und weiter: „Wenn sie bei uns einen Platz haben und wenn wir das auch öffentlich als human und wichtig in die Gesellschaft hinein vermitteln, dann werden wir als Kirche zum Spiegel der leuchtenden Liebe Gottes, der ausstrahlenden Liebe Christi.“

Weihbischof Kreidler nahm dabei Bezug auf die dem Namen der „Tabor“-Gemeinde zugrunde liegende biblische Vision von der „Verklärung“ Christi auf dem Berg Tabor in Israel. Wenn die Kirche Christus zugehörig sei, dann dürfe sie sich nicht selbst „lichtvoll zu inszenieren“, sondern müsse „transparent zu werden für sein Licht, durchlässig zu werden für seine heilende Kraft“. Nur dadurch gewinne die Kirche Ausstrahlung und Anziehungskraft.