Corona

Gemeinden im Gottesdienst-Countdown

Mit rot-weiß gestreiftem Absperrband markiert Mesner Andreas Gumpp die Bänke, die frei bleiben müssen. Foto: DRS/Jerabek

Es gibt viel zu tun, damit öffentliche Gottesdienste wieder stattfinden können. Zahlreiche Helfer setzen die umfangreichen Vorschriften um.

„Smileys“ als Platzanweiser: Genau 94 fröhliche Gesichter sind in den Bänken der Basilika zu sehen – sie zeigen, wo die Gläubigen sitzen dürfen, wenn sie am Sonntag in Wiblingen zum Gottesdienst kommen. Die Ulmer Kirchengemeinde gehört zu den Seelsorgeeinheiten, in denen bereits an diesem Wochenende Eucharistiefeiern stattfinden.

„Wir haben 94 Einzelsitzplätze markiert“, erklärt Basilikamesner Andreas Gumpp. Damit aber auch Ehepaare und Familien beieinander sitzen können, wurden in besonders langen Bänken die Abstände zwischen den Markierungen noch größer gemacht. „Das wird herausfordernd für die Ordner, die Menschen kreuzungsfrei an die richtigen Plätze zu kriegen.“

Der Einsatz von Ordnern, Mindestabstände und ein ausgeklügeltes „Verkehrskonzept“ gehören zu den Auflagen für die öffentliche Feier der Gottesdienste. „Neun Seiten lang plus Anhänge sind die Richtlinien, die es umzusetzen gilt“, sagt Mesner Gumpp: Bankreihen sperren, Schilder laminieren, Wegweiser anbringen, Desinfektionsstationen aufbauen – das sind nur einige der vielen Einzelmaßnahmen.

„Man denkt viel darüber nach, entwickelt Konzepte und sieht dann trotzdem, dass man in der Praxis das eine oder andere anders lösen muss“, berichtet Gumpp. In der weitläufigen Wiblinger Basilika, die normalerweise bis zu 1000 Menschen fasst, lassen sich die geforderten Abstände noch vergleichsweise gut organisieren. „Es erfordert viel Disziplin von jedem“, sagt Gumpp. Doch das werde schon klappen, „an der Eisdiele klappt’s ja auch.“

Handzettel und "Regieanweisungen"

Freilich müssen die Ordner erst noch geschult werden. Sieben Ordner sollen in jedem Gottesdienst im Einsatz sein. Pfarrer Ulrich Kloos ist dankbar, dass er vor allem auf ältere Ministranten zurückgreifen kann. Aber auch junge Kommunionhelfer müssen gefunden und geschult werden. „Das machen wir extra am Samstagabend, damit dann am Sonntag alles funktioniert“, sagt Kloos.

Auf einem kleinen Handzettel können die Gläubigen die wichtigsten Hinweise zu Beginn des Gottesdienstes studieren. Trotzdem rechnet der Pfarrer damit, dass auch während der Messe einige „Regieanweisungen“ nötig sein werden.

Die Kommunionspendung selbst dürfte zu den größten Herausforderungen zählen. In Wiblingen kommt dabei eine Einlegezange zum Einsatz. „Der Kommunionspender legt mit der Zange die Hostie auf eine Patene, auf die jeweils eine frische Serviette gelegt wird“, erklärt Pfarrer Kloos. „Das geschieht auf einem Tischchen, so dass dadurch auch ein natürlicher Abstand gewahrt ist.“

Das sei gewiss für alle ungewöhnlich, „aber je mehr ich das durchdenke, umso mehr kann ich darin auch einen geistlichen Gewinn sehen, denn die Kommunionspendung wird ruhiger und bedächtiger an dem kleinen Tischchen ablaufen“, so der Ulmer Dekan. „Viele Gläubige sind froh, dass Gottesdienste und auch der Empfang der Eucharistie wieder möglich sind.“ Die Eucharistie sei nicht nur eine wichtige Kraftquelle, sondern „nach außen auch wieder eine wichtige Botschaft der Hoffnung.“

Echte fröhliche Gesichter

Dass seine Seelsorgeeinheit bereits am Muttertag starten könne – wobei nur in vier der sieben Kirchen Gottesdienste möglich sind –, freut Kloos besonders, „denn in den Zeiten von Homeschooling und Homeoffice sind es gerade die Mütter, die besonders viel für die Familien leisten und so einen unverzichtbaren Dienst für unsere ganze Gesellschaft tun“.

Dass die Heilige Messe trotz der vielfältigen Auflagen in sehr würdiger Form gefeiert werden kann, zeigt ein Blick ins benachbarte Bistum Augsburg, wo bereits seit 4. Mai öffentliche Gottesdienste stattfinden. Von einem überdurchschnittlich guten Besuch der ersten Werktagsmesse berichtet etwa der Vöhringer Stadtpfarrer und Neu-Ulmer Dekan Martin Straub. Freilich seien auch auswärtige Gottesdienstbesucher dabei gewesen, die „ausgehungert sind nach der Eucharstie“.

„Den Leuten wurde viel zugemutet“, sagt Basilikamesner Gumpp rückblickend, während er noch einige Smileys auf den Bänken befestigt. Am Sonntag, so hofft er, werden an jedem der 94 Smileys echte fröhliche Gesichter Gottesdienst feiern.