Gemeinsamer Auftrag von Staat und Kirche bei der Gestaltung einer humanen Gesellschaft

Nuntius Périsset antwortete damit dem Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher, der in seiner Begrüßung den Auftrag der Kirche betonte, in den immer größeren Freiheitsräumen und Entscheidungsanforderungen der modernen Gesellschaft die Menschen zu befähigen, verantwortungsvoll mit der Freiheit umzugehen. Die Trennung von Staat und Kirche, so Neher, bedeute keine Trennung von Gesellschaft und Kirche. Vielmehr sei es die „ureigenste Aufgabe der Kirche, Gesellschaft zu gestalten“. Gemäß dem Wort Papst Johannes Pauls II.: „die Armut bekämpfen – den Frieden schaffen“, komme der Kirche als weltweit wirkender Instanz eine entscheidende Rolle bei der humanen Gestaltung der Globalisierung zu.

Bischof Gebhard Fürst bestätigte Nehers Betonung der guten Zusammenarbeit zwischen Diözese und der Kommunalverwaltung der Bischofsstadt, in der – so Neher – die katholische Kirche mit insgesamt rund 1.000 Arbeitsplätzen auch der größte Arbeitgeber sei. Die Wahl Rottenburgs zum Bischofssitz bei der Diözesangründung am 20. Mai 1828, also exakt vor 181 Jahren, sei kein Zufall gewesen, sagte Bischof Fürst. Auf Grund ihrer Jahrhunderte alten religiösen Prägung habe das damals habsburgische Rottenburg mit seinen Klöstern, seinen zahlreichen Kirchen und Kapellen, seinen Wallfahrten und Prozessionswegen im 17./18. Jahrhundert den Ehrennamen einer „urbs pia“, einer frommen Stadt erhalten. Christliche Tradition weise Rottenburg bereits seit der Römerzeit und der alemannischen Besiedlung im Vormittelalter auf, betonten das Oberhaupt der Diözese ebenso wie das Rottenburger Stadtoberhaupt. Heiterkeit erregte der Apostolische Nuntius, als er auf den Hinweis von Oberbürgermeister Neher, die Mauern des Bischöflichen Palais stünden auf Fundamenten römischer Gebäude, antwortete, es sei ein gutes Zeichen, das Bischof und Bischöfliches Palais „auf bestem römischem Boden“ stünden. Denn dies bezeuge ihre Verbundenheit mit der universalen Kirche.

Der Rottenburger Oberbürgermeister gab dem hohen Gast einen Wunsch mit: Die Rottenburger Bürgerwache mit Spielmannszug und die Stadtkapelle, die den Vertreter des Heiligen Stuhls zuvor vor dem Rathaus mit Parade und Serenade begrüßt hatten, würden sich über eine Einladung nach Rom und einen Auftritt im Vatikan sehr freuen. Er werde diesen Wunsch gerne unterstützen, antwortete Erzbischof Périsset; und der Heilige Vater habe in Erinnerung an seine Tübinger Zeit sicher auch ein offenes Ohr dafür.