Gemeinsamer Glaube als große integrierende Kraft

Rottenburg / Stuttgart 27. September 2015. Ab sofort steht den chaldäisch-katholischen Christen in der Diözese ein für ihre Situation konzipiertes Beratungsangebot zur Verfügung. Beim Fest der Gemeinde Mar Shimon Bar Sabbai an diesem Sonntag (27. September) in Stuttgart-Rohracker fiel der Startschuss zum monatlich stattfindenden Angebot, das von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dem Caritasverband für Stuttgart und der chaldäischen Gemeinde verantwortet wird. Ziel der Beratung ist es, Wege zu einem dauerhaften Leben in und mit Gesellschaft und Kirche zu ebnen.

Die Christen aus dem arabischen Raum stünden hier vor einem kompletten Neuanfang, erklärte der Bischöfliche Beauftragte der Diözese für die Chaldäer, Klaus Barwig. „Eine Rückkehrperspektive gibt es nicht, sie müssen sich quasi „aus dem Stand“ hier neu orientieren.“ Um diese Hürden des Neuanfangs leichter zu nehmen, sei das Angebot konzipiert worden. Dazu gehöre vorrangig die Beratung in Fragen des Aufenthaltsrechts und des Familiennachzugs, die Anerkennung von Bildungsabschlüssen und die Anschlussfähigkeit an das Bildungssystem.

„Alles, was wir als Ortskirche jetzt und damit frühzeitig unseren neuen Glaubensbrüdern und –schwestern zum Heimischwerden anbieten, vermitteln und zukommen lassen, ist ein Beitrag zu deren Teilhabe im umfassenden Sinn“, ergänzte Barwig bei der Vorstellung des Konzepts. An Zuwanderergruppen wie diesen werde sich zeigen, inwieweit Kirche im Konkreten aufzeigen könne, dass ein Miteinander mit und trotz Verschiedenheit gelingen könne. „Wer sich hingegen in Zurückhaltung übt und Parallelgesellschaften befürchtet, wird sich über kurz oder lang in seinen Befürchtungen bestätigt sehen können“, mahnte Klaus Barwig, Referent an der Akademie der Diözese für Migration, Menschenrecht und Nachhaltigkeit.

Bischof Gebhard Fürst und die Baden-Württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney unterstrichen durch ihre Teilnahme am Gemeindefest die Bedeutung des Beratungsangebots. In seinem Grußwort zeigte sich Bischof Fürst dankbar, für die Begegnung mit den chaldäischen Mitbrüdern: “Sie bringen den großen Reichtum der Kirchen des Orients mit, die fast so alt sind wie das Christentum selbst. Das erfüllt mich mit großer Ehrfurcht. Sie sind Kinder des Heiligen Landes, auf dessen Boden Gott Mensch geworden ist. Und Sie sprechen das Aramäische, die Sprache, in der Jesus selbst gesprochen hat. In Ihrer fast 2000 Jahre währenden Tradition schenken Sie uns Begegnung mit den Wurzeln unseres Glaubens“. Er sei zuversichtlich, so Gebhard Fürst, dass „unser gemeinsamer Glaube die große integrierende Kraft ist“.

Auf Initiative von Bischof Gebhard Fürst wurde den chaldäischen Christen in der Diözese Ende 2014 die Pauluskirche in Stuttgart-Rohracker von der Katholischen Seelsorgeeinheit St. Urban überlassen. Zum Ende des Jahres soll der Gemeinde auch das nebenstehende Gemeindezentrum zur Verfügung stehen.

Die chaldäische Kirche ist seit dem 16. Jahrhundert mit der römisch-katholischen uniert und gehört zu den ältesten überhaupt. Während christliches Leben in Ländern des Vorderen Orients von Auslöschung bedroht ist, entstanden in Europa neu auf Dauer angelegte Gemeinden.

Derzeit kann von etwa 15.000 chaldäischen Christen in Deutschland, 3.500 in der Diözese und zwischen 1.300 und 1.400 im Raum Stuttgart ausgegangen werden – mit wöchentlich steigender Tendenz.