Gerechtigkeit ist das Fundament für mehr Sicherheit

„Andere achten“, das gelte für den einzelnen Menschen, der ein Recht habe, anders zu sein; das gelte auch für andere Völker, die ein Recht darauf hätten, „andere Werte und andere kulturelle Gewichte zu setzen“, sagte Kreidler. „Was uns ganz tief miteinander verbindet“, so Johannes Kreidler, „ist eben, das wir alle ausnahmslos anders sind.“

„Der Friede hat es schwer“, konstatierte der Weihbischof. Den Einzelnen mache Überforderung häufig dünnhäutig und konfliktanfällig. Erschütternd seien „die nicht enden wollenden Nachrichten, dass hier in Deutschland, mitten unter uns, Menschen aufgrund ihrer anderen Hautfarbe, ihrer anderen Nationalität überfallen und misshandelt werden“. Notwendig sei „eine radikale innere Kehrtwendung“, forderte Kreidler. Diese bedeute: „Ich beginne vom anderen her zu denken, ich mache damit ernst, den anderen in seiner Lebenswelt anzunehmen und ihn mit seinen Einstellungen und Prägungen verstehen zu wollen.“

Wer das Motto „Andere achten“ politisch ernst nehme, für den verböten sich „einige Strategien, die wir gegenwärtig erleben“, so Weihbischof Kreidler. Begriffe wie „Krieg“ oder gar „Dritter Weltkrieg“ würden heute schnell in die politische Auseinandersetzung eingeworfen. „Das macht mich zornig“, sagte Johannes Kreidler. Krieg sei kein politisches Mittel der Konfliktlösung. Es gehe vielmehr darum, den Frieden einzuüben, das heißt, alles zu tun, „um Vertrauen zu bilden und Angst zu nehmen“. Die Richtung des Friedens bedeute, andere Kulturen ernst zu nehmen und wertzuschätzen und vor allem für Gerechtigkeit zu kämpfen, betonte Kreidler. Weltpolitisch werde der Wert „Sicherheit“ sehr hoch gehalten. Dabei werde viel zu wenig gesehen, „dass Gerechtigkeit ein wesentliches, wenn nicht das wesentliche Fundament für mehr Sicherheit wäre“, betonte Weihbischof Kreidler.