Gesamtkirchengemeinde Wangen: Diözese veranlasst vollständige Aufklärung und unverzügliche Bereinigung der finanziellen Probleme

Rottenburg. 31. Januar 2008. Der Diözesanverwaltungsrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich am Donnerstag, 31. Januar, in einer Sondersitzung mit den Vorgängen in der Kirchenpflege der Gesamtkirchengemeinde Wangen im Allgäu befasst. Grundlage der Diskussion war ein Bericht über die Sonderprüfung und die Prüfung der Jahresrechnungen 1995 bis 2006 der Katholischen Gesamtkirchengemeinde sowie der Einzelkirchengemeinden St. Martin und St. Ulrich in Wangen.

Die Abteilung Kirchengemeinden des Bischöflichen Ordinariats als zuständige Aufsichtsbehörde hatte Ende Oktober des vergangenen Jahres die Prüfung eingeleitet, nachdem ihr Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren. Im Laufe der Prüfung, deren Ergebnisse den Aufsichtsgremien jetzt in einem 37 Seiten starken Bericht und einem umfangreichen Anlagenband vorliegen, wurde eine Reihe von Sachverhalten festgestellt, die die Wangener Gesamtkirchengemeinde und die beiden Einzelkirchengemeinden St. Martin und St. Ulrich in eine problematische wirtschaftliche Situation gebracht haben. Durch fehlerhafte Buchungen, nicht realisierte Forderungen, nicht abgerechnete Baumaßnahmen und nicht geklärte Finanzierungen sowie durch nicht abgerufene kommunale Zuschüsse war im Ergebnis nach der Bereinigung fehlerhafter Buchungen ein ungedeckter Finanzierungsbedarf in Höhe von insgesamt knapp 670.000 Euro entstanden. Um die dadurch entstehenden Liquiditätsprobleme aufzufangen, wurden in den Jahren zwischen 1999 und 2005 die wesentlichen Kollekten und zweckgebundenen Spenden in Höhe von zusammen rund 250.000 Euro nicht an das Bischöfliche Ordinariat weitergeleitet bzw. dem Spendenzweck zugeführt.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart bedauert, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist, durch die möglicherweise auch das Vertrauen zahlreicher Gemeindemitglieder und Spender Schaden genommen hat. Seit sie im vergangenen Spätherbst auf die Unregelmäßigkeiten aufmerksam geworden ist, hat sie alles unternommen, um die Vorgänge umgehend vollständig und rückhaltlos aufzuklären und die entstandenen Finanzprobleme zu lösen. So wurden die Kollekten und Spenden bereits in vollem Umfang ihrer Bestimmung zugeführt. Ein Teil des bislang ungedeckten Finanzierungsbedarfs konnte durch Heranziehung aller in den Kirchengemeinden verfügbaren Mittel abgedeckt werden. Um die schwierige Finanzsituation insgesamt bereinigen zu können, wird aus dem so genannten „Ausgleichsstock“ der Diözese ein zinsloses Darlehen in Höhe von 200.000 Euro zur Verfügung gestellt, mit dem Defizite ausgeglichen sowie die Liquidität und damit die Handlungsfähigkeit der Gemeinden verbessert werden können. Dieses Darlehen muss die Wangener Gesamtkirchengemeinde ab 2009 in jährlichen Raten von 10.000 Euro zurück erstatten.

Der Kirchenpfleger der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Wangen, der zur Zeit krankheitsbedingt nicht im Dienst ist, wird im Prüfbericht ausdrücklich von dem Vorwurf entlastet, persönliche finanzielle Vorteile verfolgt zu haben. Die Hauptabteilung XIII des Bischöflichen Ordinariats wird im Rahmen ihrer Zuständigkeit unverzüglich ein disziplinarrechtliches Vorermittlungsverfahren formell eröffnen, dessen Grundlage der jetzt vorliegende Prüfbericht ist und in dem der Kirchenpfleger zu den Vorgängen gehört wird. Alle weiteren personellen, disziplinarrechtlichen und zivilrechtlichen Konsequenzen hängen vom Ergebnis dieses Vorermittlungsverfahrens ab.

Die Wangener Vorgänge machen deutlich, dass einzelne Kirchenpfleger oft überfordert sind, da notwendige Sparmaßnahmen einerseits zu personellen Reduzierungen führen, sich zugleich aber durch immer kompliziertere rechtliche Vorgaben der Leistungsdruck steigert. Seit 1999 baut die Diözese daher ein Netz von Verwaltungszentren auf, die für die Bewältigung der veränderten Aufgaben strukturell besser ausgestattet sind. Allerdings wird für diesen Prozess angesichts bestehender, über lange Zeit gewachsener Strukturen ein erheblicher Zeitbedarf veranschlagt.