Glanz von Glaube und Frömmigkeit

Dabei ist er einer der umfangreichsten Kirchenschätze in Baden-Württemberg. Er umfasst Werke der Metallkunst von der Romanik über die Spätgotik, die Barockzeit und das 19. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert. Obwohl Rottenburg durch den verheerenden Stadtbrand von 1644 einen Großteil seiner Kunstschätze des Mittelalters verloren hat, sind im Domschatz immerhin noch vier spätgotische Messkelche zu finden. Der älteste, in die Zeit von 1380 bis 1400 zu datieren, ist, wenn auch als einfaches, so doch ein seltenes Beispiel eines spätgotischen Kelches. Ältestes Stück des Rottenburger Domschatzes ist ein um 1100 zu datierendes bedeutendes romanisches Broncekruzifix. Zu den Glanzstücken des Bestands gehören auch die barocke Rottenburger Monstranz von 1755 des Augsburger Meisters Franz Ignatius Berdolt (um 1685-1762) oder der aus Ellwangen stammende Weihwasserkessel der Spätrenaissance von 1586, eine Schöpfung des Augsburgers Hans Waidelin, der schon seit mehr als hundert Jahren in die Literatur eingegangen ist.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 11. Dezember 2011, um 17 Uhr, im Diözesanmuseum Rottenburg, Karmeliterstr. 9, von Domdekan Weihbischof Dr. Johannes Kreidler eröffnet und ist dort bis 5. Februar 2012 zu sehen.

Dazu ist der umfangreiche und anspruchsvoll ausgestattete Bildband erschienen:

Wolfgang Urban: Glanz von Glaube und Frömmigkeit. Der Domschatz von Rottenburg, hrsg. v. Harald Kiebler, mit einem Geleitwort von Bischof Dr. Gebhard Fürst, Fotografien von Joachim Feist, Lindenberg i. Allg. (Kunstverlag Josef Fink), 344 S., zahlr. vierf. Abb., ISBN 978-3-89870-707-7, 24 €.

Weitere Informationen:

Neben dem Sakralgut aus der Geschichte der Pfarrei St. Martin von Rottenburg vor der Bestimmung der Stadt als Bischofssitz, speist sich der Domschatz nicht zuletzt aus bedeutenden Stücken, die aus dem Stiftsschatz der Fürstpropstei Ellwangen nach Rottenburg auf königliches Geheiß zur Ausstattung des künftigen Bischöflichen Stuhls 1817 übertragen werden mussten. Die Barockzeit ist im Domschatz mit Zeugnissen führender Meister wie Hans Franz Fesenmayr (1640-1692), Johann Joachim Lutz (um 1665-17127), Franz Thaddäus Lang (um 1693-1773) oder Georg Ignatius Baur (1727-1790) vertreten. Eindrucksvolle Ensemble bilden die dem Klassiszismus verpflichteten Sakralgeräte, die aus der Zeit von 1817 bis 1828 stammen, aus der Zeit der Anfänge des Bistums Rottenburg.
Schließlich ist die Goldschmiedkunst vom 19. bis 21. Jahrhundert mit eindrucksvollen Beispielen vertreten wie mit einer steinbesetzten silbernen Monstranz des Biberacher Meisters Eduard Zieher (1816-1893) oder einer Monstranz im Jugendstil des Stuttgarters Joseph Ballmann (1849-1913). Bedeutende Zeugnisse des Schaffens auf der Goldschmiedkunst des 20. Jahrhunderts des Domschatzes von Rottenburg gingen aus den Gmünder Werkstätten von Joseph Geiger (1876-1948), Fritz Möhler (1896-1973) , Emil Eduard Förster (1904-1980) oder Hermann Stadelmeier hervor.

Wolfgang Urban
Diözesankurator