Glaubwürdiges Vorbild für die Berufung jedes Christen

Anlass war die Eröffnung des Wunderprozesses im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens des in Ellwangen lebenden und wirkenden Seelsorgers und Jesuiten. Beantragt wurde das Verfahren bereits 1920 durch die Diözese Rottenburg, die Deutsche Bischofskonferenz und den Jesuitenorden, eröffnet wurde es 1945. Schon lange zuvor und bis heute war und ist die Verehrung des „guten Paters“ wegen seiner außerordentlichen Haltung der Nächstenliebe in der katholischen Bevölkerung lebendig. Im Jahr 1989 wurde der „heroische Tugendgrad“ Pater Jeningens als erste Voraussetzung für eine mögliche Seligsprechung festgestellt. In dem jetzt eröffneten Wunderprozess geht es darum, ein Heilungswunder des Verstorbenen als weitere Voraussetzung kirchenrechtlich anzuerkennen. Er sei guter Hoffnung, dass man damit auf dem Weg zu einer öffentlich anerkannten Seligsprechung Philipp Jeningens sei, sagte Bischof Fürst.

Es sei eine gute Tradition, so der Bischof, dass die Kirche Menschen über ihren Tod hinaus würdige, die in besonderer Weise begnadet gewesen seien, als „Volltreffer Gottes“ überzeugend und authentisch zu leben. Solche Menschen erinnerten daran, dass alle Christen dazu aufgerufen seien, das Wirken Gottes in dieser Welt zum Vorschein zu bringen und den „Funken Gottes“ im eigenen Leben nicht auslöschen zu lassen, von Kräften und Gewalten, die es in Beziehungen und in Abhängigkeiten des persönlichen Lebens ebenso gebe wie in Ungerechtigkeiten und in dem, was man als Sünde bezeichne.

Wenn alle Menschen so lebten wie Pater Philipp Jeningen, dann wären die Umstände in der Welt besser, betonte der Bischof. Dann gebe es, entsprechend den Worten Jesu in der Bergpredigt, weniger Gewalt in Beziehungen, weniger Kriege, weniger Ungerechtigkeit und weniger Ungutes im Inneren wie im Äußeren.

Der Wunsch nach einer Seligsprechung ist nach den Worten von Bischof Fürst kein unmoderner Gedanke. Er nehme vielmehr das Leben heute ernst und weise auf den Auftrag aller Christen hin, der in den „Seligpreisungen“ der Bergpredigt formuliert werde. Eine mögliche Seligsprechung bedeute nicht, dass die Kirche wisse, wie Gott über einen Menschen denkt. Auch eine Anbetung sei weder im Sinne der Kirche noch im Sinne der Seligen und Heiligen. Anbetung gebühre allein Gott. Wohl aber könnten Selige und Heilige Fürsprecher sein, Menschen, die die Bitten und Gebete der Gläubigen durch ihre „vor-gelebte Haltung“ stützen und tragen könnten, sagte der Bischof.