Glocke lehrt Glauben

Früher läutete eine Sterbeglocke, wenn in Rottenburg-Weiler jemand starb. Im Oktober 1942 mussten die Weiler Katholiken die Glocke hergeben. Sie wurde für Kriegszwecke eingeschmolzen. Ein Besuch in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe vor zwei Jahren weckte bei Gemeindemitgliedern Erinnerungen daran und den Wunsch, die Lücke im Glockenstuhl zu schließen. 70 Jahre nach dem Verlust der Glocke hängt jetzt, dank vieler Spenden, genau am selben Platz und auf denselben Ton d’’ gestimmt die neue Rupert-Mayer-Glocke. In einem feierlichen Zug hatte eine Kutsche die Glocke vom katholischen Kindergarten zur Kirche transportiert. Dort weihte Bischof Gebhard Fürst sie im Rahmen eines Gottesdienstes ein und übergab sie so ihrer Bestimmung. Wenn diese Glocke fortan erklinge, erinnere sie die Menschen an einen wichtigen Glaubenszeugen, sagte der Rottenburger Bischof in seiner Predigt. Über dessen Tod hinaus könne man noch von Rupert Mayer Glauben lernen.

 

Dieser große Glaubenszeuge lehre, den Glauben in konkretem Dienst an Armen und Benachteiligten zu verwirklichen und seine Stimme als Christ in der Gesellschaft zu erheben, wenn es der Glaube fordere.

 

 

Ihren Namen trägt die Glocke im Gedenken an den 1987 selig gesprochenen gebürtigen Stuttgarter Rupert Mayer, der im März 1899 als Seminarist des Priesterseminars Rottenburg in der St. Wolfgangs-Kirche in Weiler zum ersten Mal öffentlich predigte. Bekannt wurde der Jesuitenpater später durch seine regimekritischen Predigten und Vorträge während des Nationalsozialismus. Dass er ein von der Gestapo ausgesprochenes Redeverbot ignorierte, brachte ihm drei Verhaftungen ein, zuletzt 1939 im KZ Sachsenhausen-Oranienburg. Um ihn nicht zum Märtyrer zu machen, wurde er 1940 von dort ins Kloster Ettal gebracht, wo er bis zum Kriegsende in Isolation und Untätigkeit leben musste. Im November 1945 starb Mayer an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

 

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird Pater Rupert Mayer in dem von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Jahr des Glaubens, das am 14. Oktober eröffnet wird, als herausragender Glaubenszeuge mit weiteren Veranstaltungen gewürdigt werden, so am 4. November in Stuttgart anlässlich der Umgestaltung des Rupert-Mayer-Platzes. Am 8. November wird im Tübinger Wilhelmsstift eine Rupert-Mayer-Stele eingeweiht.

 

 

 

Ein Foto von der Glockenweihe kann ich Ihnen leider erst im Lauf des Montag zur Verfügung stellen. Tel. 0172 6800632

 

 

Biografie Pater Rupert Mayer: www.drs.de/index.php