„Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Am 10. April 1938 hatte Bischof Sproll seine Teilnahme an der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verweigert, mit der zugleich die Wahl der Nationalsozialisten in den Reichstag verbunden war. Bereits seit der nationalsozialistischen Machtübernahme im Jahr 1933 hatte sich der Rottenburger Bischof durch seine entschiedene und öffentlich geäußerte Gegnerschaft den Hass der braunen Machthaber zugezogen. Sein Wahlboykott löste umgehend aggressive Demonstrationen gegen ihn aus, die Ende Juli 1938 in schweren Ausschreitungen und Verwüstungen im Rottenburger Bischofspalais eskalierten. Am 24. August desselben Jahres wurde er aus Rottenburg und aus seiner Diözese vertrieben. Erst nach Kriegsende konnte Bischof Joannes Baptista Sproll als schwer kranker Mann nach Rottenburg zurückkehren, wo er am 4. März 1949 verstarb.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ehrt den Bekennerbischof Sproll, der auch in schwerster Bedrängnis seinem Leitwort „Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“ treu blieb, am Mittwoch, dem 23. Juli 2008, mit einer öffentlichen Gedenkfeier. Die Feier, zu der Bischof Gebhard Fürst die Öffentlichkeit einlädt, findet um 17 Uhr vor dem Bischöflichen Palais statt.

Nach der Begrüßung durch Generalvikar Dr. Clemens Stroppel und einem kurzen Bericht über die Ereignisse des Jahres 1938 wird Bischof Gebhard Fürst eine Ansprache halten: „Gott mehr gehorchen als den Menschen – das bleibende Vermächtnis des Bekennerbischofs Joannes Baptista Sproll“. Für die Stadt Rottenburg am Neckar wird Oberbürgermeister Stephan Neher sprechen, für die Rottenburger Evangelischen Kirchengemeinden Pfarrer Jürgen Huber. Die Feier wird durch das Bläserensemble der Stadtkapelle Rottenburg unter der Leitung von Arno Hermann musikalisch gestaltet.

Das Diözesanarchiv Rottenburg hat im Bischöflichen Palais eine Ausstellung zu den Ausschreitungen der Nationalsozialisten und zu der Vertreibung von Bischof Sproll gestaltet, die im Anschluss an die Gedenkfeier eröffnet wird.