Grobe Verzerrung der Tatsachen

Rottenburg. 25. Oktober 2013. Gegen eine verzerrende Darstellung der Finanz- und Vermögenssituation in der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch die ARD-Sendung „kontraste“ hat sich Bischof Gebhard Fürst verwahrt. Offensichtlich gezielt hätten die Macher der Sendung vom Donnerstagabend die Tatsachen bewusst verzerrt, erklärte am Freitag in Rottenburg Bischof Fürst. So sei es falsch, die Diözese Rottenburg-Stuttgart habe „nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet“, ihr Bistumsvermögen zu veröffentlichen. Vielmehr habe sie öffentlich erklärt, dies mit Ablauf des Haushaltsjahres 2013 zu tun, also im Frühsommer 2014.

Die Veröffentlichung des Bistumsvermögens bedürfe gründlicher Vorarbeit, da die bisherige kameralistische Buchführung auf die doppelte, den so genannten Doppik-Modus, umgestellt werden müsse, betonte der Bischof. Dies erfordere eine materielle Bewertung etwa von Immobilien wie Kirchen, Kapellen und anderer Gebäude, was wegen der Nichtvermarktbarkeit dieser Bestände „nicht einfach“ sei. Die Pressestelle der Diözese bezeichnete die im Film aufgestellte Behauptung, sie habe auf eine Anfrage der „kontraste“-Macher nicht reagiert, als falsch. Eine solche Anfrage habe nie vorgelegen.

Klar wies Bischof Fürst die in der Sendung vorgebrachten Vorwürfe zurück, die Diözesen und auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart würden sich mit Wohn- und Gewerbeimmobilien eigennützig bereichern. „Wohnungen in kirchlicher Trägerschaft tragen dazu bei, dass beispielsweise Familien und Menschen mit geringerem Einkommen ein bezahlbares Dach über dem Kopf haben.“ Zu diesem Zweck sei das Siedlungswerk, an dem das Bistum Rottenburg-Stuttgart 75 Prozent hält, nach dem Zweiten Weltkrieg nach der Devise des damaligen Bischofs Leiprecht „Wohnbau ist Dombau“ eigens gegründet worden. Es arbeitet nicht nur nach sozialen Leitlinien, sondern baut auch ökologisch und nachhaltig. Die württembergische Diözese verzichtete damals auf den ursprünglich beabsichtigten Bau eines Doms in Rottenburg und entschied sich, bei der bestehenden Marktkirche St. Martin als Kathedrale zu bleiben.

Die mit einem finanziellen Aufwand von 39,2 Millionen Euro erfolgte Sanierung und teilweisen Neubau des Bischöflichen Ordinariats, der Verwaltungszentrale der Diözese mit über 300 Mitarbeitern, bezeichnete Bischof Fürst als angemessen, transparent finanziert, ästhetisch und funktional gelungen. Über Jahre hinweg habe der Diözesanrat als höchstes Haushaltsgremium, in dem rund 100 frei gewählte Delegierte aus Dekanaten, Gemeinden und Verbänden sitzen, das Sanierungsprojekt begleitet und die nötigen Beschlüsse zur Finanzierung allein aus Kirchensteuermitteln gefasst. In der „kontraste“-Sendung war behauptet worden, mit diesem nach 50 Jahren erstmals gründlich sanierten Gebäude seien falsche Prioritäten gesetzt worden. Zudem entstand der Eindruck durch den Film, es sei mit kirchlichen Geldern nicht transparent und verantwortlich umgegangen worden. „Wir haben offen und transparent gearbeitet, wir werden das weiter tun, und wir werden dies auch mit Blick auf das Vermögen des Bischöflichen Stuhls tun.“

Uwe Renz