„Großes Vorbild eines mutigen Glaubens“

In einer öffentlichen Gedenkfeier würdigte die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Mittwoch, 23. Juli, in Rottenburg ihren 7. Bischof, der 1927 ernannt wurde und am 4. August 1949 nach schwerer Krankheit starb.

Anlass der Feier war die Demonstration der Nationalsozialisten gegen Bischof Sproll genau 70 Jahre zuvor, am 23. Juli 1938, in Rottenburg, die zu gewalttätigen Ausschreitungen und zu Verwüstungen im Bischöflichen Palais geführt hatte. Diese Demonstration gehörte in eine Kette stetig eskalierender Proteste gegen Bischof Sproll, seit dieser demonstrativ der Volksabstimmung am 10. April 1938 ferngeblieben war, in der über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und gleichzeitig über die Sitze der NSDAP im Reichstag abgestimmt werden sollte. Dies führte schließlich dazu, dass Sproll am 24. August 1938 durch die Gestapo aus Rottenburg abgeführt und aus seiner Diözese verbannt wurde. Bereits zuvor war gegen ihn wegen seiner regimekritischen Predigten strafrechtlich ermittelt worden.

Die freie Ausübung von kirchlichem Glauben und Leben, so betonte Bischof Fürst, sei für Joannes Baptista Sproll eine alles entscheidende Frage hinsichtlich seiner Loyalität gegenüber dem NS-Staat gewesen. Es habe für ihn hier nur „ein kompromissloses Entweder-Oder“ gegeben. Er habe daher – nach den Worten des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg - schon bald zu den Vertretern des „deutschen Gesamtkatholizismus“ gehört, den man „aufreiben“ und „als dem ärgsten Feind des Nationalsozialismus den Todesstoß“ habe geben müssen. Wahrscheinlich, so Bischof Fürst, habe Sproll die ganze Tragweite seines Bischofs-Wahlspruchs „Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“ nicht von Anfang an voraussehen können. Allerdings sei „der Widersacher, der Teufel“, von dem in der Bibel in diesem Zusammenhang die Rede sei, für Sproll „in der Diktatur des Nationalsozialismus konkrete Realität geworden“.

Joannes Baptista Sproll sei „in Verantwortung gegenüber Gott mutig aufgestanden, um sich gegen die Götzen des Verderbens zum Gott des Lebens zu bekennen“, betonte Bischof Fürst. „Ein Aufstand für das Leben im Namen Gottes und im Namen von Menschenwürde und Menschenrechten“ sei bis zum heutigen Tag aktuell, wenn auch unter anderen Vorzeichen als in der NS-Diktatur. Bischof Sproll, den seine Gewissensentscheidung oft sehr einsam gemacht habe, sei „ein großes Vorbild eines mutigen Glaubens“, würdigte Bischof Fürst den Bekennerbischof Sproll.

Im Anschluss an die Gedenkfeier, bei der auch Mitglieder der Familie Sproll und rund 40 Gäste aus Sprolls Geburtsort Schweinhausen (Kreis Biberach) anwesend waren, eröffnete Generalvikar Clemens Stroppel eine Ausstellung zu „70 Jahre Verfolgung und Vertreibung von Bischof Joannes Baptista Sproll“ im Bischöflichen Palais. Das Diözesanarchiv Rottenburg präsentiert hier bis zum 24. Oktober 2008 unter anderem Predigten und Briefe Sprolls, amtliche Dokumente der nationalsozialistischen Behörden, Zeitungsartikel und Pamphlete gegen den Bischof sowie Dokumente der Verwüstung am 23. Juli 1938, aber auch Loyalitätsbezeugungen von Gemeindemitgliedern und Priestern, von deren Unterzeichnern noch einige wenige hoch betagt leben. Auch ein Tondokument mit einer Predigt Sprolls ist in der Ausstellung zu hören.