Hauch von Weltkirche vorm Bischofshaus

Viele von Laien geleitete kleine geistliche Gemeinschaften würden beim gemeinsamen Lesen der Bibel und im Gebet konkrete Handlungsimpulse gewinnen für ihr tägliches Leben, sagte der Kardinal. Diese Gemeinschaften hätten inzwischen in der Kirche in Asien höchste Priorität in der Seelsorge. Mit ihrem sozialen Engagement und ihrer Option für Arme und Unterprivilegierte erwerbe sich die katholische Kirche Ansehen im Land. Als Aufgabe von Priestern nannte der Kardinal, Kontakt zu halten zu den Gemeinschaften und sie zu stärken, damit Christus Mitte in ihrem Leben sein könne.

Gracias betonte, dass die katholische Kirche in Indien eine Minderheit mit einem Bevölkerungsanteil von 1,8 Prozent sei; die Christen insgesamt machten 2,3 Prozent in dem Land mit einer Gesamtbevölkerung von 1 Milliarde Menschen, einem Hindu-Anteil von 82 Prozent und einem Muslimen-Anteil von 12 Prozent aus. Eine Kultur des interreligiösen Dialogs sei angesichts dieser Verhältnisse ohne Alternative. So berichtete der 67-jährige Gracias, der seit 2006 Erzbischof von Bombay und seit 2007 Kardinal ist, dass er etwa nach dem Skandal der Koranverbrennungen die islamischen Führer eingeladen und ihnen versichert habe, dass solche Handlungen dem Evangelium widersprechen.

Gastgeber Bischof Gebhard Fürst zeigte sich dankbar für die vielfältigen Beziehungen seiner Diözese zu zahlreichen Ortskirchen in der Welt. Eine solche Tradition der Weltkirchenarbeit sei einzigartig in Deutschland. Auf seinen bisherigen Pastoralreisen nach Afrika und Asien habe er neue Perspektiven gewonnen. „Als Weltkirche sind wir als global player und global prayer vernetzt in einer Welt, die immer mehr zum global village wird“, sagte der Bischof. Er wies darauf hin, dass 60 Prozent der Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Kontakte zu Gemeinden in anderen Ländern pflegen und dort Projekte unterstützen.

Bischof Fürst war 2010 bei einer Pastoralreise zu Gast bei Kardinal Gracias. Seit 2000 pflegt die württembergische Diözese den Kontakt mit ihm. Beeindruckt zeigte sich Bischof Fürst vom Engagement der Katholiken in Mumbai. So erinnerte er an deren zehnjährigen Einsatz für Fischerfamilien, die als Folge wirtschaftlicher Interessen eines Konzerns ihre sechs Dörfer verlieren sollten. Der Einsatz der Christen mit ihrer Option für die Armen habe sich als erfolgreich erwiesen. Die Familien konnten bleiben.