Wallfahrt

Heilende Erträge aus Jesu Stiftung

Reiterinnenabordnungen aus der Seelsorgeeinheit Kapfenburg mit ihren Standarten begleiteten die Zelebranten beim Heilig-Blut-Fest in Lippach, den Heidenheimer Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen und Pfarrer i. R. Josef Höfler, von der Kirche St. Katharina zur Altarinsel. Foto: DRS/Jerabek

„Kleiner“ als sonst, aber in großer Treue zu Jesu Auftrag haben Wallfahrer aus nah und fern das Heilig-Blut-Fest in Lippach gefeiert.

Keine Reitermesse, keine Prozession, kein Musikzug; stattdessen Maske, Abstand sowie Regen auf dem Weg zur Altarinsel in der Ortsmitte von Lippach. „Wer heute kommt, dem ist Christus wichtig“, sagte Sven van Meegen beim Festgottesdienst. Gerne hätte der Heidenheimer Dekan als Festgast und Zelebrant die 70. Auflage des Blutritts in gewohnter Weise gestaltet. Doch auch als Freiluftgottesdienst ohne Pferde und ohne eine Kutschfahrt mit der Heilig-Blut-Reliquie durch die Fluren der Gemarkung wurde das Heilig-Blut-Fest zu einem eindrücklichen Bekenntnis des Glaubens und einer frohen Feier der Eucharistie.

„Jesus ist unser Mittelpunkt; ohne ihn können wir keine Heilige Messe feiern“, betonte van Meegen. Ob Petersdom, Kapelle oder freier Himmel, ob gestaltet durch die Regensburger Domspatzen oder mit Gesangsverbot, ob deutsch, chinesisch oder auf schwäbisch – „es ist immer ein und dieselbe Feier, die Feier der Eucharistie, des letzten Abendmahls, das Jesus mit den zwölf Aposteln vor seinem Tod gehalten hat.“ Die Lippacher beglückwünschte der Festprediger zu ihrem Engagement und ihrer Glaubensfreude, mit der sie trotz allen Widrigkeiten dem Auftrag Jesu die Treue halten. Und Schlag halb zehn zum Gottesdienstbeginn hörte der Regen auf…

Heilig-Blut-Reliquie und Blutritt

Die Heilig-Blut-Reliquie, also etwas mit dem Blut getränkte Erde, das Christus bei seinem Leiden vergossen hat, soll gläubigen Menschen bewusstmachen, wie real und wie schmerzhaft Jesus sein Leben und sein Blut gegeben hat. Vor der Reliquie, die das ganze Jahr über in der Seitenkapelle der Kirche St. Katharina in Lippach ausgesetzt ist, vertrauen Menschen Gott ihre Bitten an, erfahren Trost und Stärkung für den Alltag.

Der Blutritt ist eine Form der Bittprozession, bei der Gott um Schutz und Segen für die Landwirtschaft und um eine gute Ernte gebeten wird. Alle Teilnehmer, insbesondere auch die Reiterinnen und Reiter auf ihren Pferden, erhalten zum Abschluss den feierlichen Segen mit der Heilig-Blut-Reliquie.

Ein Lebens-Mittel für die Menschen

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Dekan van Meegen die Bedeutung der Eucharistie als Jesu Vermächtnis und Stiftung und betrachtete fünf Zeichen, die der Glaube mit sich bringt und an denen Christen Maß nehmen sollen. Jesus stifte sein Leben, „man soll von ihm zehren können. In der Gestalt des Brotes und des Weines teilt er sich aus: sein Leib und Blut. In diesem Sakrament ist alles verdichtet, was ihn ausmacht; was er war und ist, ein Lebens-Mittel nämlich für die Menschen, ein Mittel zum Leben.“

Wenn in den Bibeltexten zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten davon zu lesen sei, dass fünf Zeichen geschehen durch die Menschen, die zum Glauben gekommen sind (Mk 16, 17-18), seien damit fünf Dimensionen genannt, die gläubige Menschen in ihrem Leben prägen und mit denen sie selbst heilsame Zeichen setzen können: Das, was ein gläubiger Mensch tut und sagt, könne befreiend wirken von Depression, Angst und Leid – die Bibel nenne es „Befreiung von Dämonen“ –, sagte van Meegen. Es gebe so viele Menschen, die wegen Schicksalsschlägen in dieser Zeit guten Zuspruch brauchen. Der Glaube führe auch Menschen aus allen Sprachen zusammen und motiviere dazu, sich für andere Erfahrungen zu öffnen; die schönste Sprache sei dabei die Sprache der Liebe.

Mutig den Glauben leben

„Wer glaubt, muss tätig werden“, so eine dritte Erfahrung christlichen Lebens; auch was bedrohlich erscheine, könne „angefasst werden und verwandelt“. Glaube dürfe auch nicht „verkopft“ sein, sondern soll im Zentrum verankert, also „Herzenssache“ sein, betonte der Festprediger. Damit das Gift des Misstrauens keinen Schaden anrichte, gelte es, sich gegenseitig im Glauben zu stärken. Und schließlich: „Glauben heilt. Jesu wirkt unter uns, wenn wir hinausgehen und mutig den Glauben leben.“ Das alles seien Zeichen, „die wir im Jahr 2021 dringend brauchen und die jeder schenken kann“, sagte van Meegen. Die feierliche Segnung der Gottesdienstgemeinde mit der Heilig-Blut-Reliquie war gleichsam Sendung, diese Zeichen im Alltag wirksam werden zu lassen.