Heilsame Momente am Lebensende

Rottenburg/ Stuttgart. 12. November 2014. Die Erfahrung des Aufatmens von Menschen am Lebensende in hospizlich-palliativer Begleitung ist das stärkste Argument der Kirche gegen aktive Sterbehilfe. Darin stimmten die Verantwortlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit den Experten der Praxis überein, betonte die Leiterin der Hauptabteilung Caritas, Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp.

„In der Begleitung Sterbender und im Aushalten von unauflöslichen Dilemma-Situationen erleben Patienten und Mitarbeitende immer wieder Momente großer heilsamer Nähe“, sagte Stetter-Karp. Hier sei spürbar, dass Menschen sich von Gott getragen wissen über den Tod hinaus. Am Lebensende stellten sich oft schmerzhaft existenzielle Fragen, die eine seelsorgliche Antwort erforderten. Es werde dabei deutlich, welche Chancen diese Arbeit der Kirchen biete, vor allem auch durch die Einbindung in die sozial-karitative Arbeit der Kirchengemeinde.

Die entscheidende Frage in der aktuellen Debatte zum Thema Sterbehilfe sei herauszufinden, was Menschen am Lebensende benötigten, damit der Wunsch nach Sterbehilfe gar nicht erst entstehe. Hier tragfähige Antworten zu finden und entsprechende Angebote bereit zu stellen, sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

Die Rottenburger Ordinariatsrätin mahnt in diesem Zusammenhang eine sozialpolitische Neubewertung der Pflegearbeit im Ganzen an. Angesichts eines jüngst vom Statistischen Landesamt prognostizierten Anstiegs der Pflegebedürftigen aufs Anderthalbfache bis 2030 erfordere das eine enorme Anstrengung der Politik, der Kassen sowie der sozialen Träger.


In der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es 135 stationäre Altenhilfeeinrichtungen mit 6500 Plätzen, vier katholische Krankenhäuser mit 26 Palliativbetten, fünf stationäre Hospize, acht Kinder- und Jugendhospizdienste, 25 katholische und 60 ökumenische Hospizgruppen, 79 Sozialstationen sowie 250 Nachbarschaftsgruppen mit 4800 ehrenamtlichen Helfern. Gut die Hälfte der ambulanten und knapp 30 Prozent der stationären Pflegeeinrichtungen im Land sind in kirchlicher Trägerschaft (Diakonie 32/25%, Caritasverband 24/14%). Außerdem unterstützen 160 Familienpflegerinnen Familien in Krisensituationen.