Heilsame Zeichen setzen

Die neuen Technologien ermöglichten es heute, sich mit fast unendlichen Datenmengen auszurüsten. Aber gerade die unbegrenzte Verfügbarkeit der Daten mache Menschen unersetzlich, „die ihr Handeln über den Tag hinaus an grundlegenden Werten orientieren“, sagte Bischof Fürst.

Der Bischof ging in seiner Ansprache an die Künstler dem Gedanken nach, dass Bilder den Menschen verändern. „Was wir im Auge haben, das prägt uns, da hinein werden wir verwandelt“, lautete des Leitmotiv seiner Ansprache. Wer als junger Mensch Tag und Nacht Killerspiele oder Gewaltfilme anschaue, der laufe Gefahr, dass „sich das Gesehene wie Gift in die Seele träufelt“. Und wer sich in Politik, Kirche und Gesellschaft nur an den „Regeln von Machtspielen“ orientiere, der sei in Gefahr, unbarmherzig zu werden.
„Menschen, die wirkungsvolle Bilder finden und prägen“, brauche unsere Zeit, appellierte der Bischof an die Künstler. Sie müssten Wunden wahrnehmen und nach neuen Lebensmustern Ausschau halten, „die Wunden wirklich heilen können und keine neuen Wunden schlagen“. Der Aschermittwoch als Beginn der österlichen Bußzeit richte sich an die Bereitschaft der Menschen, sich zu ändern und neue Anfänge zu setzen. Die Begegnung zwischen Gott und Mensch, die in Jesus Christus vorgestellt werde, könne zum Bild werden, das Menschen konsequent verwandle. Die „Lebenszusage Gottes“ sei Inspiration und Motivation. Künstler, so der Bischof, „nehmen diesen Impuls auf und stellen ihn dar: nicht uns selbst darzustellen, sondern transparent zu werden für die Wirklichkeit Gottes“. Dabei gehe es nicht nur um ausdrücklich religiöse Kunst. Vielmehr sei Kunst immer „geistlich“, betonte Bischof Fürst und verwies auf den Maler Alexej von Jawlenskij, dessen Lebensmotto gelautet habe: „Alle Kunst ist Suche nach Gott.“

Kunst: die Heiligkeit des Lebens und das Geheimnis Mensch bewahren
Staatsoper-Intendant Albrecht Puhlmann beim Künstler-Aschermittwoch

„Wie wollen wir leben?“ Dies ist für Albrecht Puhlmann, den Intendanten der Staatsoper Stuttgart, die zentrale Frage der Kultur und des Theaters. „Balsam zur Wunde“ einer durch Neurophysiologie und Klimakatastrophe „entzauberten Existenz“ müsse die Kunst sein. Dass das Leben heilig sei, sei „Grund und Voraussetzung jeder Theaterarbeit“. Dem Theater sei ebenso wie der Religion aufgegeben, den Menschen als Geheimnis zu wahren, betonte der Puhlmann beim Aschermittwoch der Künstler in Stuttgart-Hohenheim. Dafür dürfe aber die „Anlage zum Bösen, die in uns allen ruht“ nicht verdrängt und verschwiegen werden, ebenso wenig wie der Schrecken und der Tod. Kunst müsse „Leiden beredt werden lassen – und die Angst des aller Bindungen ledigen, befreiten Subjekts der Moderne“. Das Theater mache das Schreckliche zum Thema, denn, so Puhlmann, „wir kommen mit all dem Irrationalen, das uns umtreibt, weit eher zurecht, wenn wir es im Bereich der Kunst ausagieren, anstatt es von vornherein abzuwehren“. Sich auf die „Kraft zur Wahrheit“ zu besinnen, „die in der Kunst schlummert“, lautete der Appell des Intendanten. Denn gerade mit ihren Prophezeiungen des Schreckens sei sie dazu da, das Gewissen wachzurufen und Verhalten zu verändern. „Wachheit gegenüber und Kritik an einem neuen geistigen Klima, das mit Globalisierung und der neuen ökonomischen Ordnung umschrieben ist“, forderte Puhlmann vom Theater. Die Menschen müssten die Hoffnung wiederfinden „gegen alles, was uns die neue Ordnung vorgibt und vormacht“. Diese Hoffnung müsse von konkreten Handlungen und Gesten der Liebe und der Zuneigung begleitet werden. „Wir müssen dem Blick in die Augen eines anderen wieder standhalten“; dies müsse das Ziel jeder Theaterarbeit sein, sagte Puhlmann.