„Heilstiftendes und zeitkritisches Zeichen“

Im „heilstiftenden und zeitkritischen“ sakramentalen Zeichen des Brotes gebe Christus sich selbst der Welt und lade damit ein zur Verwandlung der Welt, betonte Bischof Fürst am Donnerstag in Rottenburg in seiner Predigt zum Fronleichnamsfest. Das eucharistische Brot, für den christlichen Glauben der Leib des Herrn, mahne dazu, die wirklich Leben spendenden Glaubensquellen zu bezeugen. Es sei ein Zeichen wirklicher Lebenskraft in einer Zeit, „die so oft nach dem Recht des Stärkeren, nach den Maßgaben des Ökonomischen, der Forderung nach Perfektion“ frage.

Es verlange Mut, an Fronleichnam auf die Straßen zu gehen und mit dem heiligen Brot den Glauben an die Leben spendende Kraft Gottes zu bezeugen, sagte Bischof Fürst. Die Feier der Glaubensgeheimnisse könne aber nicht im kleinen exklusiven Kreis verbleiben, sondern dränge hinaus. „Wir gehen mit Christus auf die Straßen.“ Das Brot Christi verwandle die Welt und die Menschen, es sei Trost für die Kranken, Wegzehrung der Sterbenden, Hoffnung für die Verzweifelten. Diese Verwandlungskraft bestärke den Glauben der Christen, dass das eucharistische Brot nicht mehr nur Brot sei, sondern durch es Kommunion geschehe, Gemeinschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Mit dem Fronleichnamsfest, das immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird, erinnert die katholische Kirche an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie. Der Name leitet sich ab aus dem Althochdeutschen "fron" für "Herr" und "lichnam" für "Leib" und bedeutet so viel wie "Fest des Leibes und Blutes Christi".

Das Fest geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliane von Lüttich 1209. Sie habe, so wird berichtet, beim Beten den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt gewesen sei. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond die Kirche bedeutet, der dunkle Fleck darin das Fehlen des Festes zum heiligen Altarsakrament. Bischof Robert von Lüttich führte auf Anregung Julianes das Fest 1246 in seiner Diözese ein. Papst Urban IV. legte 1264 fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern.