Heimat und Solidarität bieten

Solche Erkenntnisfähigkeit erfordere bisweilen „ein drittes Auge und ein drittes Ohr“, weil Leid und Not nach dem ersten Eindruck oft nicht wahrgenommen werden könnten, sagte der Bischof am Silvesterabend beim Jahresschlussgottesdienst in Bad Mergentheim. Kirchen und Kirchengemeinden sollten einladend wie Häfen im Meer sein, zu denen sich Menschen aus dem Wirbel irdischer Sorgen retten können, um dort Ruhe und Stille zu finden, betonte er in Anlehnung an den hl. Johannes Chrysostomus.

Bischof Fürst mahnte, sich wegen der im vergangenen Jahr in Deutschland guten Konjunkturdaten nicht selbstzufrieden zurückzulehnen. Trotz immer noch im europäischen Vergleich guter Wirtschaftslage litten Menschen im Land an äußerer und innerer Not. „Wir tun als Christen gut daran, unsere Fähigkeit zu Solidarität und Mitmenschlichkeit zu schulen.“ Der Bischof lobte in diesem Zusammenhang das diakonische Engagement vieler kirchlicher Einrichtungen, von Beratungsstellen, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Kindergärten und Familienzentren bis hin zu Gemeinden mit offenen Türen für obdachlose Menschen. Diejenigen, die sich dort für andere einsetzten, seien der Gefahr enthoben, sich in übermäßiger Selbstbezogenheit zu verlieren.

Mit dem früheren Limburger Bischof Franz Kamphaus bezeichnete der Rottenburger Bischof die an Weihnachten gefeierte Menschwerdung Gottes als Angelpunkt der Menschenwürde. Die liebevolle Initiative Gottes müsse an Menschen spürbare Konsequenzen haben, wenn die frohe Botschaft der Erlösung glaubwürdig und einladend ankommen solle.

Uwe Renz