Herausforderung durch die demografische Entwicklung erfordert visionäres Denken

Im familiären Bereich sei das Verhältnis zwischen den Generationen im Vergleich zu früher insgesamt sogar entspannter. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass sich rund zwei Drittel der Großeltern aktiv am Leben der Kinder und Enkel beteiligen und entsprechende Verpflichtungen nicht als Belastung empfinden. Ein aussagekräftiges Indiz sei auch die Tatsache, dass von den 2,1 Millionen Pflegebedürftigen derzeit fast die Hälfte von Angehörigen gepflegt wird, ein knappes weiteres Viertel mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. Trotz hoher Belastungen, so der Ordinariatsrat, sei die Pflegebereitschaft in den Familien hoch. Während jedoch im „familiären Generationenverhältnis“ die Distanz zwischen den Generationen geringer sei als früher, seien die gegenseitigen Zuschreibungen im „gesellschaftlichen Generationenverhältnis“ von diffusen Bildern und Bewertungen geprägt. Generationenkonflikte seien künftig weniger in den Familien zu erwarten als im gesellschaftlichen und politischen Bereich, sagte Drumm. Dabei werde es angesichts der Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme und knapper Kassen vor allem um Verteilungskonflikte gehen.

 

Drumm warnte vor Schlagworten wie „Krieg der Generationen“. Angst sei bei den anstehenden Problemen ein schlechter Ratgeber. Man dürfe aber der neuen Situation des demografischen Wandels nicht mit alten Denkvorstellungen begegnen. „Das Bild vom Alter ist der Realität anzupassen“, forderte Drumm. Gefragt seien Phantasie und die Bereitschaft, „gängige Vorstellungen und Bilder gründlich in Frage zu stellen“. Drumm warb dafür, „den neuen Herausforderungen mit neuen, ebenso visionären wie realitätsgerechten Sichtweisen“ zu begegnen. Dazu gehörten unter anderem eine „Zeitpolitik“, die die Lebensarbeitszeit entzerre, und flexiblere, dem individuellen Bedarf entsprechende Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand ermögliche. Die Sozialversicherungssysteme, besonders die Rentenversicherung müsse so weiterentwickelt werden, dass Altersarmut verhindert und Eigenvorsorge gefördert werde, besonders bei Menschen mit gebrochenen Berufsbiografien. Netzwerke zwischen Angehörigen sowie ehrenamtlichen und professionellen Diensten müssten strukturell und finanziell gefördert werden. Grundsätzlich seien ortsnahe Lösungen und Unterstützungsangebote für das Miteinander der Generationen oft wichtiger als landes- oder gar bundesweite Versuche von Pauschallösungen, betonte der Ordinariatsrat.