„Hier schlägt das Herz der Stadt“

Die Kirche Jesu Christi sei „weit mehr als ein steinernes Haus, so schön es auch sein möge“, so Bischof Fürst weiter; „Kirche ist der Raum Gottes unter den Menschen.“ Wenn sie Jesu Geist ausdrücke, dann sei sie eine „wirksame missionarische Kirche“ – nicht durch Erklärungen und Verlautbarungen, sondern durch glaubwürdiges Leben. Kennzeichen einer solchen Kirche sei es, „dass es im Haus Gottes keine Fremden mehr gibt“. Notwendig sei es auch, „eine Sprache neuer Verständigung zu finden“. Das gelte für die christlichen Kirchen, damit diese zu einem wirksamen Zeichen missionarischen Christseins in der Gesellschaft würden. Dies gelte auch für die verschiedenen Religionen dieser Stadt.
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„Aus dem Binnenraum der Vertrautheit mit Christus hinaus in die Öffentlichkeit“ – mit diesen Worten charakterisierte Bischof Gebhard Fürst in einer Ansprache zur Eröffnung die Bestimmung des neuen Hauses der katholischen Kirche in der Königstraße. Umgeben von Einkaufs- und Flaniermeile und mit Blick auf Banken- und Börsenzentren liege es im Herzen der Stadt. „Hier schlägt das Herz der Stadt“, fügte der Bischof hinzu, „denn ohne Religion fehlte der Stadt, unserer Gesellschaft und ihren Menschen das entscheidende Moment, das Sinn stiftet.“ „Ohne die Kräfte der Religion, ohne den Geist des Christentums, ohne den Impuls der Kirche würde der Pulsschlag der Zeit bald hohl und sinnlos“, so der Bischof weiter. „Wir können dankbar sein, dass es viele solcher geist- und kraftvollen, sinnstiftenden Zentren in dieser Stadt gibt“, betonte Bischof Fürst.

Als Ort einer missionarischen Kirche müsse sich das neue Haus im „Mitleben, Mitleiden, Mitfreuen mit den Menschen unserer Zeit“ bewähren. Sein Konzept vereinige karitative Dienste und Beratungsangebote mit einer „kompetenten, spannenden und einladend-offenen Seite“. Es gehörten „Erziehungs- und Lebenshilfe ebenso dazu wie verschiedenste „Akzente des Bildungsangebots aus ökumenisch-offenem, christlich-kirchlichem Geist“. Die Domkirche St. Eberhard und das Haus der Katholischen Kirche, so Bischof Fürst, seien „heilsame Oasen in Hektik und Getriebe des Geschäftslebens – ein Dach für die Seele, eine Wärmestube in dieser gefühlskalten Welt“. Dieses Angebot gelte unabhängig von Konfession oder Religion und richte sich weder nach Hautfarbe und Herkunft noch nach Bildungsgrad und Einkommen. Es solle ein offenes, einladendes Haus „in einer Gesellschaft der Unbehausten“ sein, das sich um „niederschwellige Türen für Erstkontakte mit einer verlorenen gegangenen Welt“ bemühe. Es gehe auch um „Probierstationen“ und therapeutische Orte der Hilfe und der Krisenintervention, in denen allerdings niemand vereinnahmt werden solle, betonte der Bischof. Sein Wunsch sei es, mit dem Haus der Katholischen Kirche im Stuttgarter Zentrum „einen von der Umwelt ernst genommenen Ort mit erkennbarem Gesicht zu etablieren, der ein gleichermaßen offenes wie stabiles, vertrauenswürdiges wie sinnstiftendes Angebot bieten wird“.