Himmlische Augenblicke

Seine Erwartungen aufgrund der eingeschickten CD-Selbstvorstellung der Chöre seien "eher noch übertroffen worden", sagte Leenen am Montag (25. Juli) in einer ersten Bilanz nach Abschluss des Chorfestivals, bei dem auf hohem Niveau geistliche Musik aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen zu hören und auch "zu sehen" war. Besonders angetan zeigte sich Leenen von dem gemischten Kammerchor "Credo" aus Kiew, der am Freitagabend im Rottenburger Dom zusammen mit dem MittelDeutschen FrauenKammerChor als "krönender Abschluss" das letzte von sechs Doppelkonzerten bestritten hat. Neben diesem Spitzenensemble traten besonders die beiden Chöre aus Südafrika und Angola "überaus positiv" in Erscheinung.

Die Schwarzafrikaner begeisterten nicht nur mit ihrem kräftigen Gesang, sondern auch mit ihren Tanzeinlagen, die sie auch bei der offiziellen Verabschiedung am Sonntagnachmittag auf dem Marktplatz noch einmal auf der Bühne darboten. Auch die beiden ersatzweise eingesprungenen Chöre sind laut Domkapellmeister Leenen sehr gut angekommen: Die weltbekannten Regensburger Domspatzen und das Vocal-Jazz-Ensemble "The Voice Messengers" aus Paris, die am Samstagabend die Französische "Sommernacht" auf dem Marktplatz musikalisch gestalteten. Insgesamt wurde das Festival an allen Veranstaltungen vom Auftaktkonzert am Mittwochabend im Dom bis zur Pontifikalvesper am Sonntagnachmittag ebenfalls im Dom von über 10.000 Freunden geistlicher Chormusik besucht. Zahlreiche Gottesdienstbesucher konnten die Chöre zudem am Sonntag in den katholischen und evangelischen Kirchen in Rottenburg, seinen Teilorten und in Tübingen erleben, wo sie die Gottesdienste mitgestalteten.

Bischof Gebhard Fürst sprach bei dem Vespergottesdienst von "himmlischen Augenblicken", die bei den Festtagen geistlicher Chormusik zu erleben gewesen seien. Musik und Religion gehörten als "Weggefährten" bei der Suche nach dem Göttlichen zusammen und verbänden die Menschen untereinander. "Das Singen von Psalmen und Hymnen, das Jubeln im Gesang aus vollem Herzen gehört ins Zentrum des christlichen Glaubens", so Fürst. Mit einem Augustinus-Wort rief der Bischof den versammelten Chören mit ihren rund 400 Sängerinnen und Sängern zu: "Seid, was ihr singt", aber auch: "Singt, was ihr seid!".

Leenen geht davon aus, dass es auch in drei Jahren ein fünftes Festival geistlicher Chormusik geben wird. Dies hänge allerdings auch von Voraussetzungen wie etwa den finanziellen Zuschüssen ab, und dass "alle wieder mithelfen". Aufgrund des starken Besucher-Zuspruchs hofft Leenen, dass man finanziell gut über die Runden gekommen ist. Dem Domkapellmeister zufolge werden etwa zwei Musikstücke von jedem der zwölf Chöre auf einer CD dokumentiert. Sie wird voraussichtlich in der vorweihnachtlichen Zeit vorliegen.