Kirchenkunst

Hinaufgucker zu Gott

Die „action spurensuche“ erschließt Schnittstellen zwischen dem Leben Pater Philipp Jeningens und dem Leben der Menschen heute.

Krise, Priestermangel, Wüste des Glaubens – wie sehr ähnelt sich doch der „Lagebericht“ der Kirche heute mit Berichten vor 340 Jahren, als der Jesuitenpater Philipp Jeningen seinen Dienst als Seelsorger und Volksmissionar in Ellwangen und dem weiten Umland antrat. Eigentlich hätte er Missionar in Indien werden wollen, doch stattdessen wurden der Virngrund und das Ries zu „seinem Indien“. Um die 1000 Orte, so schätzt man, hat Pater Philipp Jeningen zwischen 1680 und 1704 besucht. Alle Missionsreisen auch in die benachbarten Diözesen legte er zu Fuß zurück.

Stille Anbetung, eine feurige Predigt über das Leiden Jesu und die Liebe Gottes, über Sünde und Vergebung, sodann stundenlanges Beichthören, Katechese für Kinder, Hausbesuche bei alten und kranken Menschen – so beschreiben Biografen den Ablauf der Missionen. Für jeden Menschen, dem der „gute Pater Philipp“ begegnete, hatte er ein liebevolles, ein tröstendes Wort. „Mit Liebe und Demut kann man alles erreichen“, so fasste Pater Philipp Jeningen sein Lebensprogramm prägnant zusammen.

Seit seinem Tod 1704 ist seine Verehrung nie erloschen, bis heute ist sein Grab in der Liebfrauenkapelle der Basilika St. Vitus in Ellwangen eine vielbesuchte Stätte des Gebets und der Fürbitte. Zeitlebens besonders geschätzt hat den „Apostel des Virngrunds“ auch der Maler und Pfarrer Sieger Köder, dessen Todestag am 9. Februar sich heuer zum fünften Mal jährt. Die „action spurensuche“ hat dieser Verbindung ein besonderes Augenmerk gewidmet.

Oft gemalt hat Köder das Antlitz Philipp Jeningens, das vom Schatten des Bußkreuzes am Fuße des Schönenberges durchkreuzt wird. Eines dieser von Köder neu gedeuteten Bilder des „guten Pater Philipp“ findet sich in der Predella, dem Unterbau des farbenreichen Flügelaltars der Rosenberger Pfarrkirche Mater Dolorosa, wie Hermann Sorg, enger Weggefährte des Malerpfarrers, erklärt.

„Pater Philipp Jeningen war von dem einen Gedanken beseelt, zusammen mit Jesus und mit jeder leidenden Kreatur, der er begegnete, das Kreuz zu tragen“, schrieb einmal der Ellwanger Historiker Hubert Häfele. Und Wolfgang Steffel vom Leitungsteam der „action spurensuche“, sagt: „Philipp versuchte die Gegenwart Gottes den Menschen ganz sichtbar vor Augen zu stellen, gewissermaßen ein Hinweisschild auf Gott, einen Aufwecker, Hingucker, Hinaufgucker zu Gott. Er tat dies, indem er an vielen Orten ein Kreuz aufrichtete. Das Kreuz war für ihn ein Lebensbaum. Und mit den weisen Augen des Gärtners sah er darin die Geborgenheit in Gott, das Vertrauen in Gott, die Begegnung mit Gott. Und Begegnung mit Gott war vor allem – so hatte es Philipp von Ignatius gelernt – Begegnung mit Christus dem Gekreuzigten und Auferstanden.“

Diese Geborgenheit in Gott und das Vertrauen, dass Gott auch in einer Zeit der Wüstenwanderung der Christenheit mit dabei ist, sieht Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen bei vielen Menschen in Frage gestellt. „Glaubt ihr daran, dass die Botschaft Jesu vom Reich Gottes auch heute ein Segen für die Menschen und die ganze Welt sein kann?“, lässt er Pater Philipp in einem Buch mit fiktiven Ansprachen großer historischer Gestalten an die heutige Welt fragen. Und weiter: „Ich rate euch: Ärgert euch nicht über das, was eure Bischöfe anders machen sollten, sondern fragt euch lieber, was ihr selbst tun könnt, damit der Glaube weitergegeben wird, damit Ellwangen nicht eines Tages ein Museum des Christentums ist, damit aus der Kirche zu Schönenberg nicht eines Tages ein Museumsstück wird, in das man Eintritt zahlen muss.“

Veranstaltung:

Bereits am Freitag, 7. Februar, 18 Uhr startet das 24-Stunden-Gebet am Grab Jeningens in der Liebfrauenkapelle der Basilika St. Vitus in Ellwangen mit einer feierlichen Vesper. Auch die Komplet um 22.30 Uhr, die Laudes am nächsten Morgen um 6.30 Uhr, das Mittagsgebet um 12 Uhr, ein Rosenkranz um 15.30 Uhr und die Abschlussvesper um 17 Uhr werdenbesonders gestaltet.

Ein Festgottesdienst anlässlich des Todestages des „guten Pater Philipp“ findet am 8. Februar, 18 Uhr, in der Basilika St. Vitus in Ellwangen statt. Festprediger ist der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen.

"action spurensuche"

Die „action spurensuche“ ist eine geistliche Bewegung in Ellwangen, die sich der Erschließung der ignatianischen Spiritualität widmet, wie sie sich beispielhaft im Leben Philipp Jeningens widerspiegelt.

Seit 1992 veranstaltet sie im Sommer eine 120 Kilometer lange Fußwallfahrt vom Geburtsort Jeningens in Eichstätt im Altmühltal nach Ellwangen an der Jagst, wo Jeningen von 1680 bis zu seinem Tod 1704 zunächst als Wallfahrtsseelsorger am Schönenberg und später als Volksmissionar wirkte. Weitere Informationen zum Programm der Bewegung auf www.action-spurensuche.de.