„Hingabe beim Bauen macht aus Gebäuden eine liebenswerte Stadt.“

Im Ensemble mit dem von Grund auf sanierten Renaissancebau des „Bischöflichen Palais“ wird darin künftig die Diözesanverwaltung aus 13 in der Stadt verstreuten Standorten zusammengeführt. Zeitziel der umfangreichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen, denen aufwendige Rettungsgrabungen durch das Landesamt für Denkmalpflege vorausgegangen waren, ist das Jahr 2013.

Bischof Fürst stellte die Feier unter einen biblischen Spruch: „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.“ Obwohl bei langjährigen Vorüberlegungen und Planungen Weisheit und Verstand am Werk gewesen seien, so entstehe hier kein reiner Zweckbau, betonte der Bischof. Das Architekturbüro Lederer habe sich spürbar ästhetischen Werten und Funktionen wie Raumerlebnis und Atmosphäre verschrieben, denn Architektur wirke auch auf Gefühle und antworte auf emotionale Grundbedürfnisse des Menschen. Die Historie des Ortes sei ebenso bedacht worden wie innovative Ansätze. Der „Bausünde des Bruchs“, den moderne Architektur gelegentlich durch bewusste Abgrenzung von früherer Architektur herbeigeführt habe, sei hier durch kluge Konzeption vorgebeugt worden. Insbesondere weise die Verwendung der Baumaterialien darauf hin, dass Prinzipien der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit bei der Planung bestimmend gewesen seien. So gehe es etwa auch um eine beispielhafte Energieeffizienz der neuen wie der sanierten Gebäude. Tradition und Neues würden miteinander verbunden, betonte der Bischof. So wachse in dem Rottenburger Bauprojekt der Diözese nichts Künstliches, Zweckrationales, nichts Steriles und auch nichts Verwechselbares heran. Das Palais erhalte eine ganz eigene Note, und viele gestalterische Elemente hätten eine symbolische Tiefendimension.

Städte seien der Spiegel einer jeweiligen Gesellschaft, betonte Architekt Arno Lederer. Man finde in ihnen die ständige Suche nach einem Ausdruck, der das kulturelle, geistige und religiöse Selbstverständnis eines Gemeinwesens ausmache. Dieser „weiche Faktor“ bestimme das Bauen mehr, als man oft wahrhaben wolle. Bei dem Rottenburger Bauvorhaben habe man den Versuch unternommen, das Vergangene und Verlorene der mittelalterlichen Stadt und des barocken Klosters an die Hand zu nehmen und die Überlieferung dieses Orts sichtbar zu machen. An die Adresse von Bischof Fürst gewandt, betonte Lederer, dieser fordere beim Bauen einen Mehrwert ein, der nicht unbedingt mehr Geld koste, aber mehr Hingabe bedeute. Erst diese Hingabe mache aus den Gebäuden eine lebens- und liebenswerte Stadt.

Die Stadt Rottenburg sei stolz auf diese Baustelle, sagte Oberbürgermeister Stephan Neher. Auch wenn das Bauprojekt, das in der Stadt mit großer Spannung verfolgt werde, teilweise kontroverse Diskussionen ausgelöst habe, so entstehe hier ein Gebäudeensemble von großer städtebaulicher Bedeutung. Damit stelle sich die Diözese für kommende Generationen und Jahrhunderte auf, so Neher. Er erinnerte Bischof Fürst daran, dieser habe bei seiner Amtseinsetzung im Jahr 2000 versprochen, er wolle dazu beitragen, dass die Stadt Rottenburg ein schönes Gesicht erhalte. Das jetzige Bauprojekt sei eine Einlösung dieses Versprechens.