Hirtendienst ist Zentrum priesterlicher Existenz

In einem feierlichen Vespergottesdienst eröffnete er in Stuttgart am Sonntagabend, 21. Juni, für die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Priesterjahr, zum Papst Benedikt XVI. weltweit aufgerufen hat. Er sei dem Papst dankbar für diese Initiative, denn sie biete die Möglichkeit, sich der Frage nach dem Zentrum priesterlicher Existenz neu zu stellen. Im Anschluss an das zu Ende gehende Paulusjahr greife es auch dessen missionarische Impulse auf.

In einer Situation, die für viele Seelsorger durch Überforderung gekennzeichnet sei, rufe er den Priestern „ein kräftiges Wort der Solidarität und Ermutigung“ zu, sagte Bischof Fürst. Er wisse um die Gefahr, von Sitzung zu Sitzung zu hetzen, von Terminen, Verwaltungsaufgaben, Repräsentationspflichten und Personalführung bedrängt zu werden und die Funktion bloßer Bedürfnisbefriedigung zu werden, betonte der Bischof. Wer als Priester allem nachkommen wolle, der brenne auf Dauer aus und verliere sein Profil „im Allerlei, das bald wie Einerlei wirkt“. Eine Ursache für diese Situation, so Bischof Fürst, liege auch in einem missverstandenen Gemeindebild. Christliche Gemeinde sei kein „Funktionsgebilde, sondern eine Lebensgemeinschaft“. Es bedürfe daher der stets neuen Bemühung um eine geistliche Mitte des priesterlichen Dienstes. Erst durch die „nachhaltige und permanente Verankerung in dieser Mitte entgehen wir der schleichenden Vergiftung, nur noch funktionieren zu sollen“. Durch den Auftrag, Hirten zu sein, seien Priester hineingenommen in die Geschichte vom Guten Hirten Jesus, von dem die Bibel spreche, und machten diesen für die Menschen sichtbar. „Hier liegt die eigentliche Mitte unserer Berufung und der konkrete Maßstab unseres Handelns“, unterstrich Bischof Fürst. Durch eine solche Konzentration wachse dem priesterlichen Dienst neue Kraft zu, die die Menschen erreiche. Diese spürten: „Da ist ein Hirte, der sorgt und nachgeht und so in unserer Kirche und Gesellschaft heilsam wirkt.“ Dies mache sein Handeln glaubwürdig.

Darin liege auch die missionarische Kraft des Dienstes eines Priesters. Der Kirche, so Bischof Fürst, „ist vom Herrn nicht Selbsterhaltung aufgetragen, sondern ein missionarische Zeugnis in der Welt.“ Der Priester der Zukunft sei missionarisch. Er wirke „missionarisch anstiftend, weil er als Hirte da ist für seine Herde und den vielen Verlorenen nachgeht, weil er diesen Hirtendienst das wesentliche Element seiner priesterlichen Existenz sein lässt“. Als Priester nur zu funktionieren, werde dauerhaft frustrieren und ausbrennen; priesterlich missionarisch zu wirken schenke dagegen auch selbst Freude, sagte der Bischof.