Hoffnung und Depression liegen nahe beieinander

So seien etwa staatliche Bedienstete und Lehrkräfte in den längsten und schwersten Streik seit dem Ende der Apartheidregierung getreten, berichtete Bielefeld. Die Arbeitslosigkeit liege bei knapp 50 Prozent und treffe fast ausschließlich die schwarze Bevölkerung. Reihenweise stünden die Menschen an den Ausfallstraßen der großen Städte und warteten darauf, dass ihnen jemand eine Tagelöhnerarbeit anbiete. Für die Infrastruktur, so Stäps, sei sehr viel getan worden. Sogar die Häuserfronten an den Durchgangsstraßen der Townships, der Elendsviertel der Schwarzen, seien renoviert worden, um einen guten Eindruck zu erwecken. Aber im sozialen Gefüge sei nichts Positives festzustellen gewesen. „Die Fußballweltmeisterschaft ist wie ein Gugelhupf aufgegangen, und danach ist alles wieder in sich zusammengefallen“, sagte Stäps. Einige wenige hätten an dem Megaevent viel verdient, aber die Masse der armen Bevölkerung habe nicht wirklich daran partizipieren können.

Angesichts dieser schwierigen Situation sei es besonders eindrucksvoll zu erleben gewesen, mit welcher Begeisterung die Gläubigen in den Gemeinden der Townships wie zum Beispiel in Soweto ihre Gottesdienste gefeiert und tanzend und singend ihre ganze Emotionalität hineingelegt hätten. „Wenn man vorne am Altar steht und es kommt einem eine Welle von Klang und Emotionen entgegen – das reißt einen regelrecht mit“, beschrieb Stäps seine Gefühle. Ebenso beeindruckend sei es aber auch, wie zum Teil sehr betagte Missionskräfte sich bei den Ärmsten der Armen für ein menschenwürdiges Leben einsetzten. Gerade für die Ordensfrauen, die Priester und die Laienkräfte aus der Diözese, die oft schon seit Jahrzehnten in Südafrika tätig seien, sei es eine starke Bestätigung, wenn ihre Tätigkeit in der Heimat wahrgenommen werde und durch einen persönlichen Besuch Wertschätzung erfahre.

Dabei ging es auch um konkrete Hilfe. So konnte die Diözese Rottenburg-Stuttgart etwa der aus Oberschwaben stammenden und jetzt für die Koordinierung der Aids-Arbeit in der Erzdiözese Bloemfontein verantwortlichen Sießener Franziskanerin Electa Wild die Mittel in Aussicht stellen, mit der sie die Arbeit der ausgebildeten Home-Care-Pflegekräfte auch künftig weiterführen kann, wenn 2011 die Zuwendung von Regierungs- und UN-Seite eingestellt werden. Und eine Unterstützung bedeutet auch die Errichtung des „Bischof Dr. Gebhard Fürst Stiftungslehrstuhl in Angewandter Ethik und Katholischer Soziallehre“ St Augustine College in Johannesburg, der zum Jahresbeginn 2011 seine Tätigkeit aufnehmen kann. Das St Augustine College, die von der aus Rottenburg stammenden Professorin Edith Hildegard Raidt 1993 gegründete einzige katholische Hochschule im südlichen Afrika, erfreue sich im ganzen Land einer hervorragenden Reputation, konnten Stäps und Bielefeld übereinstimmend berichten. Wo immer sie hingekommen seien, habe man die hervorragende Ausbildung hervorgehoben, die dort geleistet werde.