„Ich habe euch immer gesagt, wir müssen die Menschen froh machen.“

Die Pfarrei feierte das Patrozinium, ihren „Namenstag“. Heilige seien „überaus menschliche Menschen“ betonte Weihbischof Kreidler. Mit der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, deren 800. Geburtstag die katholische Kirche dieses Jahr mit einem feierlichen Gedenkjahr begeht und deren Namen die Tailfinger Kirche trägt, verbinde sich „die Erinnerung an tiefe Menschlichkeit und an ungewöhnliche Selbstlosigkeit um der Menschen willen“, sagte der Weihbischof. Sie habe die „ungeheure Schwere und Last des Alltags der Armen mit den Augen des Herzens gesehen“. Diese für das Leid empfindliche „Mitleidenschaft mit der Welt sei das Herzstück des christlichen Glaubens“. Die heutige „gesellschaftliche Tendenz zum verabsolutierten Individualismus“ hätte Elisabeth nach Kreidlers Worten kritisch gesehen. Wer sein Glück nur im Blick auf sich selber zu machen versuche, der reiße Glück und Solidarität auseinander, werde aber auch seinerseits „zwischenmenschlich isoliert“, betonte der Weihbischof. Es sei „ein und dieselbe Bewegung, für niemanden da zu sein und von niemanden gebraucht zu werden“. Im Begleiten anderer könne man jedoch selbst wieder „zum Begleiteten“ werden.

Die heilige Elisabeth, so Weihbischof Kreidler, lade durch ihre Lebensgeschichte dazu ein, Mut aufzubringen und „herauszutreten aus den vielen Anderen, Gesicht zu zeigen, sein eigenes Gesicht“. Das setze einen tiefen inneren Halt und Geborgenheit voraus. Deshalb gehöre in das „Lebensprofil eines Heiligen immer Gott hinein“, sagte Johannes Kreidler. Gott sei das, was Menschen „für ihr Leben als Heil, als Glück, als Ganzheit im Fragment ihres konkreten Lebens empfinden“.

Der Rottenburger Weihbischof stellte den Gemeindemitgliedern der Tailfinger St.-Elisabeth-Gemeinde ihre Namenspatronin als auch heute hoch aktuelles Beispiel einer glaubwürdigen Gemeinde vor Augen. Elisabeth sei die Heilige der Caritas. Zentral sei immer die Frage: „Wo sind die Armen einer Gemeinde?“ „Ich denke“, sagte Weihbischof Kreidler, „eine christliche Gemeinde nähme die Dimension der Caritas als tätiger Nächstenliebe nicht wahr, wollte sie nur Solidargemeinschaft wohlmeinender Leute sein, die sich gegenseitig in ihren individuellen Interessen unterstützen und erlebnishungrig um einander kreisen“.