Im besten Sinn Berufung verwirklicht

In einer Feierstunde am Montagabend im Rottenburger Bischofshaus wurde Josef Rettenmaier, Rosenberg, mit der Komturwürde des Silvesterordens ausgezeichnet; Johanna Kneer, Ulm, und Joachim Kawka, Laupheim, erhielten die päpstliche Auszeichnung „pro ecclesia et pontifice“; Gertrud Edelmann, Rottenburg wurde mit der päpstlichen Auszeichnung „benemerenti“ geehrt.

In seiner Ansprache wies Bischof Gebhard Fürst auf das Jahr der Berufung hin, das in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in diesem Jahr in besonderer Weise begangen wird. Die an diesem Abend in besonderer Weise ausgezeichneten vier Personen „haben durch das, was sie jeweils in ihrem Leben für andere Menschen, unsere Kirche und unsere Gesellschaft getan haben, im besten Sinn ihre Berufung verwirklicht“, sagte Bischof Fürst.

Der St.-Silvester-Orden, ein goldenes, weiß emailliertes Malteserkreuz mit Strahlen zwischen den Flügeln und einem kleinen goldenen Sporn, wurde der Legende nach von Papst Silvester I., 314-35, wahrscheinlich aber von Papst Paul IV. im Jahr 1559 gestiftet. Papst Gregor XVI. gab ihm eine neue religiöse Ordnung. Fortan sollte der Orden „als Belohnung ausgezeichneter Rechtschaffenheit an religiöse und in Kunst und Wissenschaft erfahrene Leute, welche sich um den Katholizismus, die Menschheit und den Apostolischen Stuhl verdient machen“, verliehen werden.
Das Ehrenzeichen „pro ecclesia et pontifice“, ein Kreuz, wurde von Papst Leo XIII. ( 1878-1903) gestiftet. Es wird – so der Wortlaut der Urkunde – „für herausragende Arbeit und hervorragenden Eifer zugunsten von Kirche und Papst“ verliehen.
Auch die Medaille „benemerenti“ wird, der Bedeutung des lateinischen Wortes entsprechend, einer besonders für die Kirche verdienten Person überreicht. Sie wurde von Papst Gregor XVI. (1831-1846) gestiftet.

Johanna Kneer (70) lebt in ihrer Heimatstadt Ulm, wo sie 1936 geboren ist. Nach ihrer Ausbildung zur Katechetin und Seelsorgehelferin in Freiburg i. Br. war sie ab 1959 über zehn Jahre lang als Katechetin in der Kirchengemeinde Heilig Geist in Ulm tätig, wo sie Religionsunterricht an Grund-, Haupt- und Sonderschulen gab und sich um die Elternarbeit in Pfarrei und Dekanat bemühte. Zu ihrem Auftrag gehörte bereits zu dieser Zeit die Erprobung neuer Wege in der Katechese. Über ihren gemeindlichen Auftrag hinaus engagierte sich Johanna Kneer in dieser Zeit als Bezirkskatechetin und arbeitete im Religionspädagogischen Institut, im „Rat der Seelsorgehelferinnen“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie in der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Berufe der Gemeindereferentin und der Religionspädagogin in den deutschsprachigen Diözesen mit. 1971 wurde Johanna Kneer durch die Seelsorgehelferinnen zur „Diözesanreferentin für die Seelsorgehelferinnen“ gewählt. Bischof Carl Joseph Leiprecht bestätigte sie in diesem Amt. Zu ihren neuen Aufgaben, nunmehr in Rottenburg, gehörten Personalplanung und Personaleinsatz der Gemeindereferentinnen, die Personalberatung für alle haupt- und nebenberuflichen Gemeindereferentinnen und Religionslehrerinnen im kirchlichen Dienst, die Beratung für Berufsinteressenten, Kontakte mit den Ausbildungsstätten, die Mitarbeit im Kuratorium des Freiburger Seminars für Religionspädagogik und Gemeindepastoral, die Gestaltung des Berufseinführungsjahrs, die Organisation und Leitung von Fortbildungsveranstaltungen sowie die Kontaktpflege zu diözesanen und überdiözesanen Konferenzen. Über ihre breit gefächerten Aufgaben in der Diözese hinaus war Johanna Kneer auf Bundesebene lange Zeit im Vorstand der Berufsgemeinschaft katholischer Frauen im pastoralen Dienst aktiv. Im Jahr 2001 ging Johanna Kneer in den Ruhestand. In seiner Würdigung hob Bischof Fürst die „bescheidene, unaufdringliche Art“ von Johanna Kneer hervor sowie ihr Engagement und Einfühlungsvermögen bei der Wahrnehmung vielfältiger Aufgaben. Ihr Name, so der Bischof, sei „wie kaum ein anderer in der Diözese mit dem Beruf der Gemeindereferentinnen und Katechetinnen verbunden“.

Joachim Kawka (66), 1941 geboren, Vater von zwei Kindern, lebt mit seiner Familie in Laupheim. Nach seiner Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Weingarten war er Realschullehrer. Mit der Verleihung der Missio Canonica Anfang 1977 war die Voraussetzung für die Erteilung von Religionsunterricht gegeben. 1980 wurde er zum Schuldekan ernannt und nahm von da an eine Tätigkeit in der kirchlichen Schulaufsicht wahr. Trotz einer schweren Erkrankung, die vor allem seine Stimmfunktion erheblich beeinträchtigte, nahm Joachim Kawka seine Aufgaben bis zu seinem krankheitsbedingten Ruhestand im Juli 2002 in vollem Umfang wahr. Bei zeitweiliger Abwesenheit vom Dienst auf Grund von Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen waren Vertretungen durch benachbarte Kollegen immer gewährleistet. Sein großes Engagement in der Fortbildung sowie vor allem im persönlichen Kontakt mit den Schulleitungen und in regelmäßigen Kontakten zu den Seelsorgern schufen die Grundlage für eine selbstverständliche Solidarität im Kollegenkreis. Über seine Tätigkeit als Schuldekan hinaus engagierte sich Joachim Kawka als Gemeinderat in der Kommunalpolitik. Seine besondere Sorge galt dem Museum für christlich-jüdische Vergangenheit in Laupheim. Mit Joachim Kafka, so Bischof Fürst, werde eine Persönlichkeit geehrt, die sich „auf wahrhaft eindrucksvolle Weise und in unterschiedlichster Weise in Schule und Bildung für die Menschen eingesetzt“ habe. Trotz starker gesundheitlicher Belastungen habe er seine Fähigkeiten in einem Bereich eingebracht, dessen Bedeutung für Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden könnten, sagte der Bischof. In Schule und Bildung würden wichtige Weichenstellungen und entscheidende Prägungen für ein verantwortungsbewusstes Leben junger Menschen gestellt. Entscheidend seien dabei Vorbilder, „die mit ihrem Lebenszeugnis dazu anstiften, dem eigenen Leben Gestalt zu geben“, betonte Bischof Fürst. Joachim Kawka habe diesen Beruf als seine Berufung verstanden und „als Schuldekan mit Engagement und Überzeugung viele gute Spuren in den Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart hinterlassen“. Es sei stets erkennbar gewesen, „dass er aus einer tiefgegründeten christlichen Überzeugung heraus sein Leben gestaltet und seinen Beruf ausgeübt“ habe. Diese Überzeugung habe es ihm auch ermöglicht, in vorbildlicher Weise mit seiner schweren Erkrankung umzugehen, betonte der Bischof in seiner Würdigung. Ausdrücklich bedankte er sich auch bei Frau Irene Kawka, die selbst im Schuldekanatsamt tätig gewesen sei und ihren Mann in vielfältiger Weise unterstützt habe.

Gertrud Maria Edelmann (80), seit 1952 verheiratet und Mutter von fünf Kindern, lebt heute in ihrer Heimatstadt Rottenburg, in der sie 1927 geboren wurde. Zeitlebens, so würdigte sie Bischof Gebhard Fürst, habe sich Gertrud Edelmann neben ihren Aufgaben als Mutter einer großen Familie „um die Menschen, um unsere Kirche und besonders um ihre Kirchengemeinde“, die Rottenburger St.-Moriz-Gemeinde, verdient gemacht. Der Bischof erinnerte daran, dass Gertrud Edelmann bereits in den 40er- und 50er-Jahren bei der Gestaltung von Jugendgottesdiensten, im Kirchenchor und in der Kolpingfamilie aktiv gewesen sei. Später engagierte sie sich als Elternvertreterin und Schriftführerin im Kindergarten St. Moriz, beteiligte sich an der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, gestaltete Kleinkindergottesdienste mit und war im Erwachsenenbildungsausschuss und als Krankenkommunionhelferin tätig. Seit drei Jahrzehnten ist Gertrud Edelmann in der Altenarbeit tätig, außerdem seit über zwei Jahrzehnten im Caritasausschuss, wo ihr besonders der Geburtstagsbesuchsdienst für Senioren am Herzen liegt. Seit 12 Jahren leitet sie eine Bibelgruppe. Darüber hinaus ist sie seit 20 Jahren im Ausschuss des Katholischen Frauenbundes Schriftführerin sowie im Rottenburger Krankenpflegeverein Kassiererin bzw. Vorsitzende. Vor allem, hob Bischof Fürst hervor, habe sich Gertrud Edelmann über 25 Jahr als nebenamtliche Kirchenpflegerin ganz in den Dienst der Gemeinde gestellt und zusätzlich über 20 Jahre ehrenamtlich die Buchhaltung der seinerzeit neu gegründeten Sozialstation betreut. Gertrud Edelmann, so betonte Bischof Gebhard Fürst, gebe „durch ihr alltägliches Engagement und ihr lebenslanges Zeugnis im aktiven Glaubensleben ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass unsere Kirche vor Ort und im Ort lebt, dass die Kraft und das Leben in den Gemeinden pulsiert und dass die Gemeinden von Christinnen und Christen leben, die in ihnen mitarbeiten, die sich einbringen und die unserer Kirche so ihr Gesicht geben“. Die päpstliche Medaille „benemerenti“ sein ein Zeichen des Dankes für ihre großen Verdienste um die Weitergabe des Glaubens und die tätige Nächstenliebe, sagte der Bischof.

Mit der Ehrung von Josef Rettenmaier (82) wird nach den Worten von Bischof Gebhard Fürst eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die das „weltkirchliche Engagement schon frühzeitig und über viele Jahre aufgegriffen“ habe. Die Welt, so der Bischof, sei dabei, zu einem globalen Dorf zu werden. Erdteile, Völker und Menschen seien vernetzt wie nie zuvor. Man könne nicht mehr länger nur aus nationaler Perspektive heraus denken und handeln. Vielmehr gehe es „um bedeutende und für die Zukunft nachhaltig wirksame Fragen der Menschheit, um Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Entwicklung der Völker, sagte Bischof Fürst. Mit der Ehrung von Josef Rettenmaier würden „die Augen auf den Horizont der Weltkirche“ gehoben. Josef Rettenmaier 1924 geboren, ist Vater von vier Kindern und lebt mit seiner Frau in Rosenberg. Der Unternehmer sei in seiner Kirchengemeinde ebenso wie in der bürgerlichen Gemeinde fest verwurzelt. Sein langjähriges Engagement im Kirchengemeinderat, im Gemeinderat der Kommune, bei der Internationalen Handelskammer sowie in vielen Vereinen belege dies. Der Bischof erinnerte auch daran, dass neben dem Einsatz für die Kindergärten am Ort viele notleidende Menschen Gehör und konkrete materielle Hilfen durch Rettenmaier erhielten, nicht zuletzt durch Arbeitsplätze in seinem Unternehmen. Als großzügiger Stifter und Wohltäter im heimatlichen Umfeld habe er sich durch die Finanzierung der Kirchenfenster und des Altars von Sieger Köder sowie durch einen finanziellen Beitrag zu einer neuen Orgel in Hohenberg erwiesen. Auch die Erschließung des Jakobswegs sei ihm ein Anliegen gewesen. Aber auch der Blick über die Kirchengemeinde hinaus sei ihm stets wichtig gewesen, betonte Bischof Fürst. Durch Unterstützung der Partnergemeinde und der Projekte der Comboni-Missionare in Peru, im Sudan und in Uganda habe er sich der Missionsarbeit angenommen. Ebenso verdiene sein Engagement beim Aufbau des Kolpingswerks in Peru Erwähnung. Als „besonders eindrucksvolles Projekt“ hob Bischof Fürst die Kinderspeisung in der so genannten „Bubenstadt“ in Esmeraldas in Ecuador hervor, in der vor allem elternlose Straßenkinder und –jugendliche Zuflucht und Unterstützung finden. Es sei „zutiefst begründet“, betonte der Bischof, „wenn ein Mann, der zeitlebens an vielen Orten dieser Welt zum Zeugnis von der wirksamen und weltgestaltenden Kraft unseres Glaubens beigetragen hat, die hohe päpstliche Ehrung der Komturwürde des Silvesterordens erhält“.